Prof. Dr. Svenja Falk, Managing Director bei Accenture, Christoph Plass, Vorstand von UNITY, und Prof. Dr.-Ing. Boris Otto, geschäftsführender Leiter des Fraunhofer ISSTi (vlnr)

Prof. Dr. Svenja Falk, Managing Director bei Accenture, Christoph Plass, Vorstand von UNITY, und Prof. Dr.-Ing. Boris Otto, geschäftsführender Leiter des Fraunhofer ISST (vlnr)

© Plattform Industrie 4.0/ Christoph Plass / Fraunhofer ISST

1. Frage: Wo liegt für produzierende Unternehmen das größte Potenzial bei digitalen Geschäftsmodellen?

Prof. Dr. Svenja Falk: Aus dem Dreiklang „Vernetzte Fabrik, vernetzte Produkte, vernetzte Unternehmensnetzwerke“ entsteht neue Wertschöpfung und Wettbewerbsdifferenzierung. Die größten Potenziale sehe ich aktuell bei Smart Services für Wartungs- und Qualitätsmanagement (condition monitoring), sowie Produktivitätssteigerungen durch die digital-vernetze Produktion. Um dies zu erreichen, sind folgende technologische Bausteine wichtig: Cloud (PaaS, IaaS, SaaS), Connectivity, Künstliche Intelligenz und Big Data, sowie Cybersecurity. Zukünftig werden offene Standards und Interoperabilität die Basis neuer Geschäftsmodelle und stärkeren Fokus auf das Kundenerlebnis sein. Dazu gehören unter anderem die Monetarisierung von Betriebsdaten genauso wie die Ko-Entwicklung von Produkten und deren gemeinsame Nutzung.

2. Frage: Was sind die zentralen Herausforderungen auf dem Weg zum digitalen Geschäftsmodell?

Christoph Plass: Beim Aufbau digitaler Geschäftsmodelle konzentrieren sich Unternehmen häufig auf neue digitale Technologien. Sie wollen diese mit Hilfe von agilen Organisationsmodellen einführen, angereichert mit modernen Kulturelementen. Sie erwarten Erfolg, der aber oft nicht eintritt. Dies liegt im Kern daran, dass die Mittel und Wege– also das WIE – im Mittelpunkt stehen. Unbeantwortet bleiben der Zweck und die Ziele – das WARUM. Ein digitales Geschäftsmodell erfordert eine klare Strategie, mit Vision und konkreten Zielen. Hier erleben wir große Unsicherheiten. Es fehlt zum Beispiel an Erfahrung, wie Daten monetarisiert werden sollen.
Prof. Dr.-Ing. Boris Otto: Erfolgsfaktor für digitale Geschäftsmodelle ist die Beherrschung der gesamten Datenwertschöpfungskette, also alle Aktivitäten von der Datenerzeugung über die Datenvorverarbeitung, -speicherung, -verteilung und -analyse bis zur Nutzung der Daten. Eine besondere Herausforderung dabei ist die Tatsache, dass die Datenwertschöpfungskette vielfach Unternehmensgrenzen überwindet und sich über ganze Ökosysteme erstreckt.

3. Frage: Was hilft den Unternehmen, neue Geschäftsmodell umzusetzen?

Christoph Plass: Die Analyse zeigt, dass die Herausforderungen vielschichtig und komplex sind. Aus vielen praktischen Fällen haben wir für die fünf Bereiche „Strategie, Personal, Implementierung, Kultur sowie externe Rahmenbedingungen“ Erfolgsfaktoren sowie Probleme und Hindernisse herausgearbeitet. Diesen müssen sich Unternehmen stellen. Es gibt große Lösungsräume. Ein Idealkonzept existiert nicht. Eine individuelle Evaluierung der Unternehmenssituation in diesen Bereichen ist daher notwendig.
Prof. Dr.-Ing. Boris Otto: Daten sind Rohstoff digitaler Geschäftsmodelle, aber viele Unternehmen sind noch gar nicht „data ready“. Um bei digitalen Ökosystemen mitspielen zu können, muss man seine eigenen Daten im Griff haben. Hier haben viele Unternehmen noch Nachholbedarf.

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