"Wertschöpfung braucht Netzwerke" - Fachtag zur Gestaltung digitaler Geschäftsmodelle

Auf dem Podium zum Thema „Auf dem Weg in die global-vernetzte Plattformökonomie“ diskutierten v. l. Leo Shiwei Li, Vice President, Tencent Cloud Europe, Dr. Astrid Elbe, Managing Director Intel Labs Europe, Intel Corporation und Nadine Despineux, President Digital Service Solutions, KraussMaffei Technologies GmbH – moderiert von Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung, Accenture DACH

© BMWi, Anja Blumentritt

Vernetzung, Austausch, Teamplay – die deutsche Industrie muss sich vermehrt als ein Wertschöpfungsnetzwerk begreifen. Gerade im internationalen Wettbewerb ist dies unverzichtbar, damit Deutschland in einer datengetriebenen Plattformökonomie einen Spitzenplatz behalten kann. Der Tenor der Veranstaltung war deutlich zu hören. In zwei Panel-Diskussionen sowie vier Workshops diskutierten die Teilnehmenden Herausforderungen und Lösungen auf dem Weg in die Digitalisierung und den Wandel von Geschäftsmodellen. 

Barrieren abbauen 

Zu häufig herrscht noch klassisches Silo- und Konkurrenzdenken. Mit digitalen Geschäftsmodellen verschwimmen jedoch Unternehmensgrenzen. Wettbewerbsmodelle verändern sich grundlegend. Plattformen nehmen an Bedeutung zu, wie eine Studie im Auftrag des BMWi aus dem Jahr 2019 belegt. Neben dem eigenen Produkt bekommen auch die zughörigen Ökosysteme eine immer größere Bedeutung. Daher stehen nicht länger einzelne Unternehmen im Fokus, sondern der Nutzen für das gesamte Netzwerk. In diesen Netzwerken müssen Unternehmen ihre Rolle finden – je nach Geschäftsmodell. Allgemein gültige Lösungen gibt es dafür nicht. Aber der Anfang ist klar: Technisch ist diese industrielle Vernetzung heute schon möglich. Barrieren gibt es nur im Kopf – und diese müssen abgebaut werden. 

Partnerschaften und Chancen 

Und nicht alles können Unternehmen selbst leisten– vor allem im Mittelstand. Umso wichtiger ist es, externe Expertise einzuholen und Partnerschaften einzugehen. Auch vorhandenes Wissen und Datenbestände müssen zielführend nutzbar werden. So können Dienstleistungen und Produkte weiterentwickelt werden. 

Zudem können geeignete Regulierung Chance sein - wenn dieeuropäische Position genutzt wird, um Rahmenbedingungen auch für den internationalen Wettbewerb zu gestalten. 

Alles Daten oder was?  

Daten spielen bei der Vernetzung innerhalb einer Plattformökonomie eine bedeutende Rolle – wenn sie adäquat genutzt werden können. Denn wenn Daten verwendet werden, resultiert ein zusätzlicher Nutzen – im Idealfall für das gesamte Netzwerk. So lassen sich bestehende Produkte verbessern und neue digitale Dienstleistungen anbieten und so zusätzliche Wertschöpfung generieren.  
 
Aber Daten sind beim Aufbau digitaler Geschäftsmodelle lediglich eine Zutat. Essenziell ist auch der interne Wandel im Unternehmen. Das heißt nicht, dasjeweiliges Geschäftsmodell vollständig über den Haufen zu werfen. Vielmehr gilt es, Möglichkeiten durch digitale Lösungen zu verstehen, Potenziale für sich zu erkennen und sinnvoll umzusetzen. So entstehen – neben dem Kerngeschäft – neue Geschäftsmodelle. Wie das konkret funktionieren kann, hat die AG 6 der Plattform Industrie 4.0 in ihrer Publikation „Ambidexterity: Product Development in the NEW“ vorgestellt. 

Je nach Wertschöpfungsnetzwerk sehen digitale Geschäftsmodelle anders aus. Chancen und Herausforderungen prägen sich entsprechend unterschiedlich aus. In einer Analyse von 22 Praxisbeispielen gibt die AG 6 der Plattform Industrie 4.0 eine Übersicht und zugleich Hilfestellung und Orientierung für Unternehmen bei der Gestaltung ihrer digitalen Transformation.