Studie zur Bedeutung digitaler B2B-Plattformen

Das Fraunhofer ISI stellte Mitgliedern der AG 6 „Digitale Geschäftsmodelle“ die Ergebnisse ihrer Studie vor, die anschließend rege diskutiert wurden.

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Nahezu jedes dritte deutsche Unternehmen im verarbeiteten Gewerbe nutzt B2B-Plattformen, um seine Produkte und Dienstleistungen auf digitalem Wege anzubieten. Rund 20 Prozent planen in den kommenden drei Jahren in das digitale Plattformgeschäft einzusteigen. Im Jahr 2021 wird so voraussichtlich fast jeder zweite Betrieb eine Plattform nutzen, so lauten zentrale Erkenntnisse der Studie "Volkswirtschaftliche Relevanz von Business-to-Business (B2B) Internetplattformen für produzierende Unternehmen in Deutschland" des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI).

Digitale B2B-Plattformen als Katalysator

Handel verlagert sich zunehmend in den Online-Bereich – nicht nur im B2C-Geschäft. Für viele Betriebe können Plattformen ein relevanter Business Case sein:Viele Plattformnutzer setzen Plattformen gezielt ein, um ihre Angebote zu verbessern und erzielen damit höhere Umsätze als andere Betriebe", resümiert Dr. Christian Lerch, Leiter Geschäftsfeld Industrielle Innovationsstrategien im Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI). B2B-Plattformen würden häufig strategisch verwendet, indem das Kernprodukt mit digitalen Dienstleistungen flankiert und dadurch attraktiver gestaltet wird. Dadurch erzielen Unternehmen letztendlich eine größere Wertschöpfung. „Digitale B2B-Plattformen scheinen als Katalysator für Dienstleistungsangebote von Industriebetrieben zu wirken“, fügt Dr. Lerch hinzu. Digitale Dienstleistungen verbreiten sich entsprechend je mehr Betriebe B2B-Plattformen verwenden.

"Hochgerechnet auf die Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes ergeben die Berechnungen des Forschungsteams, dass mit digitalen B2B-Plattformen im Jahr 2018 eine Wertschöpfung von 10,6 Milliarden Euro erzielt wurde. Dies entspricht 1,6 % der gesamten Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes", unterstreicht Dr. Lerch. Hält die derzeitige Entwicklung konstant an, wird sich die Bruttowertschöpfung bis zum Jahr 2024 mehr als verdoppeln.

Mehr Plattformen

Mit wachsender Zahl an Betrieben, die Plattformen verwenden, nimmt auch die Anzahl an Plattformen insgesamt zu. Denn: Überwiegend setzen Unternehmen dabei jeweils auf eigene Plattformangebote. Eher selten wird auf ein bestehendes Angebot von Drittanbietern zurückgegriffen. Wahrscheinlich werden sich jedoch Netzwerkstrukturen im Sinne einer Plattformökonomie zukünftig stärker ausprägen. Ob dies jedoch unmittelbar dazu führen wird, dass die Vielzahl an Plattformanbietern zurückgeht und sich auf einen etablierten Kreis reduziert, lässt sich derzeit kaum prognostizieren.

Bei der Digitalisierung Schritt halten

Auf die wachsende Bedeutung von Plattformen hat die AG 6 „Digitale Geschäftsmodelle“ in ihrem Impulspapier „Germany's evolving platform landscape“ hingewiesen. Darin analysiert die AG 370 Unternehmen, darunter 188 deutsche Plattforminitiativen sowie zahlreiche deutsche Start-ups, u. a. mit Blick auf ihre Verteilung nach Wirtschaftssektoren, die Umsetzung von Netzwerkstrukturen, die Skalierbarkeit ihrer Geschäftsmodelle sowie die Art der Wertschöpfung.

Die Studie unterstreicht, wie wichtig es für Betriebe und die deutsche Wirtschaft insgesamt ist, bei der Digitalisierung Schritt zu halten. Mit den beiden Impulspapieren „Ambidexterity: Product Development in the NEW“ sowie „Wachstumspfade bei der Digitalisierung von Geschäftsmodellen“ zeigt die AG, wie digitaler Wandel in der Praxis gelingen kann.

Die Studie wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beauftragt. Ergebnisse und mögliche Schlüsse aus der Studie haben Mitglieder der Plattform Industrie 4.0 am 2. Juli 2019 in einem Workshop in Berlin diskutiert.