Podiumsdiskussion MS Wissenschaft

© Philip Gleibs/IFOK

Die Podiumsdiskussion zu „KI und Zukunft der Arbeit“ auf der MS Wissenschaft. V.l.n.r.: Klaus Ahlborn, Mitglied und ehemaliger Vorsitzender des Gesamtbetriebsrat bei Airbus Operations GmbH, Andrea Stich, Leiterin der internen Weiterbildungsakademie bei Infineon Technologies AG und Mitglied der Plattform Lernende Systeme, Christin Fröhlich, Referentin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Referat IVA3 zu Digitalisierung und Industrie 4.0, Johannes Reich, Produktexperte von der Intelligent Enterprise Group SAP SE und Martin Kamp, Leiter der Arbeitsgruppe „Arbeit, Aus- und Weiterbildung“ der Plattform Industrie 4.0 und Leiter des Berliner Vorstandsbüros der IG Metall.

KI – Traktor des 21. Jahrhunderts 

Die Frage, ob KI Chance oder Gefahr ist, griff auch Johannes Reich von SAP auf. Er stellte fest, ob eine Innovation den gesellschaftlichen Wohlstand mehrt, bestimmt weniger die Innovation selbst als vielmehr ihr gesellschaftlicher Kontext. Die Erfindung etwa des Traktors ersetzte die Arbeit vieler Feldarbeiter – reicher wurde die Gesellschaft als Ganzes erst, als sich für die ehemaligen Feldarbeiter die Chance auf neue, bessere Arbeit ergab, die wiederum aus anderen Innovationen hervorgingen. Demokratische Gesellschaften als Konsensgesellschaften freier Menschen entwickeln dann eine Innovationskultur, wenn es gelingt, dass alle fair an den Früchten der Innovationen teilhaben. 

Sogenannte “starke KI” – mit den intellektuellen Fertigkeiten eines Menschen - werde es in frühestens zehn bis fünfzehn Jahren im professionellen Einsatz geben, schätzte Andrea Stich von Infineon Technologies AG. “Schwache KI” – wie z.B. Systeme, die Bildmaterial und Messdaten analysieren – könne jedoch schon heute eine nützliche Entlastung für den Menschen sein und dabei die Sicherheit und Qualität von Entscheidungen beschleunigen und steigern. Die Qualität der Produkte ist dabei oberstes Gebot. Hier seien elektronische „Prüfer“ hilfreich, die in kürzester Zeit riesige Datenmengen verarbeiten und bewerten, und damit die Mitarbeiter positiv unterstützen. Wichtig bleibt: Es wird auch weiterhin natürliche Intelligenz brauchen, sowie Empathie, Bauchgefühl, Wertebewusstsein und Kreativität. Durch KI haben die Menschen hoffentlich zukünftig mehr Zeit die Tätigkeiten auszuüben, die wirklich erfüllend sind – so das Zwischenfazit von Frau Stich. 

Beschäftige mitnehmen und fortbilden 

Klaus Ahlborn berichtete, dass Airbus erfolgreich in die Weiterbildungen aller Mitarbeiter investiert und das Gespräch über die Zukunft des eigenen Arbeitsplatzes mit dem Beschäftigten sucht. Die Auswirkungen von KI sind ein wichtiger Aspekt davon. Martin Kamp, Leiter des Berliner IG Metall Büros, ergänzte durch das Beispiel Amazon. Dort sei es seit Jahren nicht einfach die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu organisieren. Diese Herausforderung seien jedoch nichts Neues und nicht allein auf KI zurückzuführen. 

Das Fazit der Diskussion: Es braucht klare Regeln, betriebliche Mitbestimmung und einen gesamtgesellschaftlichen Dialog zu den ethischen Fragen rund um Künstliche Intelligenz. Hierzu sollen die Plattformen (für Industrie 4.0 und Lernende Systeme) zusammenarbeiten und weitere Akteure sowie die Bürgerinnen und Bürger einbinden. 

Segel setzen und KI „made in Germany“ zum Gütesiegel machen 

Alle Vortragenden an Bord der MS Wissenschaft waren sich einig: Beim Thema KI weht eine steife Brise der Veränderung. Künstliche Intelligenz wird sukzessive Einzug halten in unser Arbeitsumfeld – und auch in unser Privatleben. Deshalb müssen die Segel gesetzt werden. Es braucht neue Kompetenzen. Und es muss weiterhin die Frage gestellt werden, wie wir in Zukunft mit KI umgehen wollen, auch bezüglich Ethik und Datensicherheit.  

Hier könne man auch ansetzen, damit Deutschland international wettbewerbsfähig bleibt, so Christin Fröhlich, Referentin im Bundeswirtschaftsministerium. Beispielsweise könne Deutschland in Zukunft für hohe Standards in der Datensicherheit und eine sichere, verantwortungsvolle KI-Systeme stehen. 

 

Projekt und Diskussionsteilnehmer 

Die Reihe der Sozialpartnerdialoge „Künstliche Intelligenz und Zukunft der Arbeit“ wird im Rahmen des Wissenschaftsjahrs „Künstliche Intelligenz“ durchgeführt. Am 20. September 2019 findet in Frankfurt die nächste Veranstaltung statt, auf der Vertreterinnen und Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern das Thema “KI und Arbeit” diskutieren. 

Am 17. Mai in Berlin diskutierten folgende Personen auf dem Podium: Martin Kamp, Leiter der Arbeitsgruppe „Arbeit, Aus- und Weiterbildung“ der Plattform Industrie 4.0 und Leiter des Berliner Büros der IG Metall, Klaus Ahlborn, Mitglied und ehemaliger Vorsitzender des Gesamtbetriebsrat bei Airbus Operations GmbH, Christin Fröhlich, Referentin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Referat IVA3 zu Digitalisierung und Industrie 4.0, Johannes Reich, Produktexperte von der Intelligent Enterprise Group SAP SE und Andrea Stich, Leiterin der Frontend Akademie Weiterbildungsakademie bei Infineon Technologies AG und Mitglied der Plattform Lernende Systeme.