Anwendungsbeispiele: Logistik
Wertschöpfungsbereich: Logistik
Entwicklungsstadium: Marktreife / produktiver Einsatz
Unternehmensgröße: mehr als 15.000 Mitarbeiter
Region: Hamburg

Welche Herausforderungen galt es zu lösen und welcher konkrete Nutzen ergab sich?

Es ist ein Ansturm an Lieferungen, der täglich im Hamburger Hafen eintrifft. Bis zu 8.000 LKWs sind Tag für Tag auf dem Hafengelände unterwegs, um Container zu bringen oder abzuholen. Dabei steht die Hamburg Port Authority (HPA) vor einer immensen Herausforderung: bis 2025 wird ein Umschlag von 18 Millionen Containern pro Jahr erwartet - ein Anstieg auf das Doppelte gegenüber den neun Millionen Containern im Jahr 2014. Mehr als 15.000 LKWs werden sich dann voraussichtlich ihren Weg durch das Straßennetz im Hafen bahnen müssen.

Wie lässt sich der Industrie 4.0-Lösungsansatz beschreiben?

Um auf diese Herausforderungen zu reagieren, wurde die Lieferkette durch die smartPORT-logistics Plattform auf Basis von SAP HANA durchgehend vernetzt. Die Deutsche Telekom integriert dabei über TelemetricOne sowie Geofences die mobilen Endgeräte. Allen Beteiligten stehen damit verkehrsrelevante Informationen über die gesamte Hafenlogistikkette zur Verfügung sowie eine grafische Darstellung der LKW-Positionen und Infrastruktursituation.

„Die smartPORT-logistics-Plattform ermöglicht den Umschlag der doppelten Warenmenge auf der gleichen Fläche. Je mehr weitere Partner hinzukommen, desto effizienter wird der Hafen“, so Sascha Westermann, Leiter Intermodales, operatives IT-Verkehrsmanagement, der Hamburg Port Authority AöR.

Was konnte erreicht werden?

Speditionen können in Hamburg den Service „Flottenmanagement“ und andere Services buchen. Sie bezahlen monatlich je nach Leistung einen Tarif und bekommen dafür Transparenz darüber, wann ihre LKWs am Containerterminal ankommen. LKW-Fahrer erfahren außerdem über ihre Tablets, wie sie am besten fahren sollten – ohne Staus und mit möglichst wenigen Wartezeiten.

Das entspannt auch die Lage am Hamburger Hafen erheblich: Die Lösung ermöglicht 5 bis 10 Minuten Fahrzeitersparnis pro LKW und Tour, das ergibt bei 40.000 LKWs 5.000 Stunden Zeitersparnis pro Tag. Dadurch konnte der Umschlag im Hamburger Hafen auf der gleichen Fläche mehr als verdoppelt und ein höherer Durchsatz für alle beteiligten Spediteure erreicht werden.


Mit welchen Maßnahmen wurde die Lösung erreicht?

Die technische Lösung heißt smartPORT logistics (SPL) und ist eine Koproduktion zwischen SAP, die mit der SAP HANA Cloud-Plattform eine Echtzeittechnologie zur Verfügung stellt, der Deutschen Telekom, die für die Anbindung der Telematiksysteme zuständig ist, und dem Logistikexperten Dakosy. Die Plattform smartPORT logistics sammelt Daten wie Standortpositionen von LKWs, freie Parkplätze, den Status an Terminals, Staumeldungen sowie Informationen über hochgezogene Brücken und Unfälle. Der Port Road Manager der HPA kennt die gesamte Verkehrssituation im Hafen und hat den besten Überblick. Disponent, Parkraumbetreiber und Spediteur erhalten je nach Rolle einen individualisierten Zugriff auf die Plattform und somit nur auf die für sie relevanten Informationen. Für LKW-Fahrer ist es beispielsweise möglich, dass sie – sobald sie sogenannte Geofences passieren – Informationen auf ihrem Tablet angezeigt bekommen, die ausschließlich für diejenigen Fahrer bestimmt sind, die sich in einem bestimmten Raum aufhalten. Der Disponent sieht den jeweiligen Standort seiner Flotte auf dem Bildschirm und bekommt über eine SAP-Fiori-Oberfläche ausschließlich für ihn bestimmte Informationen.

Letztlich profitiert jeder davon: Der LKW-Fahrer, der schneller sein Ziel erreicht und fünf bis zehn Fahrminuten pro Tour einspart, dessen Chef, der Disponent, der mehr Ware abgeholt bzw. ausgeliefert bekommt und der Port Road Manager, der nicht zuletzt aufgrund der In-Memory-Technologie SAP HANA den Verkehr weitaus schneller analysieren kann als bisher.