Der Gastbeitrag im Wortlaut:
Von Industrie 4.0 wird so oft und so gerne gesprochen, dass man es für eine übertriebene Modeerscheinung halten könnte. Weit gefehlt: Bei Industrie 4.0., also dem Verschmelzen von Produktion und Dienstleistung mit dem Internet, handelt es sich um nichts Geringeres als die Zukunft der deutschen Wirtschaft.
Ja, Deutschland steht heute gut da. Unser Ausbildungssystem hat sich als robust erwiesen, unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung haben ein international wettbewerbsfähiges Niveau erreicht. Auf diese Leistung dürfen wir stolz sein, sich darauf auszuruhen, wäre jedoch ein fataler Fehler. Die Digitalisierung beschleunigt Veränderungen, in der Gesellschaft und in der Wirtschaft. Wir erleben eine neue industrielle Revolution. So, wie der Anblick von Smartphones im Alltag innerhalb weniger Jahre zur Normalität geworden ist, so werden Produktion und Dienstleistung mit dem Internet bald Hand in Hand arbeiten.
Deutschland, eine fortschrittliche Industrienation, muss die neuen Entwicklungen für sich nutzen. Mehr noch: Wir müssen den Anspruch haben, die digitale Revolution zu gestalten. Nicht allein, aber als wichtiger Impulsgeber gemeinsam mit unseren europäischen und internationalen Partnern. Gestalten bedeutet, aktiv Einfluss auf die Entwicklungen zu nehmen, unsere Werte, unser Gesellschaftsbild und unsere Vorstellungen von einem selbstbestimmten Leben in einer digitaleren Welt zu verwirklichen. Dabei muss der Mensch im Mittelpunkt bleiben, am vernetzten Arbeitsplatz ebenso wie beim geschützten Umgang mit Daten.
Als Bundesregierung unterstützen wir die Entwicklung von Industrie 4.0 nachhaltig. Frühzeitig haben sich Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam auf eine Forschungsstrategie verständigt, die in vom Bund geförderten Projekten umgesetzt wird. Wir haben die neue Hightech-Strategie insbesondere auf die Digitalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft ausgerichtet.
Jetzt müssen wir die Umsetzung vorantreiben. Industrie 4.0 kann nur mit dem Mittelstand gelingen. Für 90 Prozent der Unternehmen sind die Zuverlässigkeit der Informationstechnik und die Sicherheit der Daten noch ein Hemmnis. Daher haben wir als Bundesregierung ganz bewusst das neue Forschungsprogramm zur IT-Sicherheit mit dem Schwerpunkt Industrie 4.0 versehen. Ohne sicheren Datenaustausch wird Industrie 4.0 nicht möglich sein. Wir wollen Unternehmen in die Lage versetzen, die Vorteile der Digitalisierung nutzen und Risiken minimieren zu können. Die Bundesregierung unterstützt daher auch die Initiative „Industrial Data Space“ der Fraunhofer-Gesellschaft, weil sie genau auf die Bedürfnisse der deutschen Industrie zielt. Hier arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an einer Umgebung, in der kleine, mittelständische und große Unternehmen Daten nach selbst festgelegten Regeln miteinander teilen können. Anwendungsorientierte Forschung muss zum Schrittmacher von Industrie 4.0 werden. Wir fördern neue Entwicklungen und bringen sie auf den Hallenboden.
Zu einer schlagkräftigen Umsetzung gehört weiterhin eine effektive Koordinierung aller in Deutschland entwickelten Initiativen zu Industrie 4.0. Wirtschaft, Wissenschaft, Verbände und Gewerkschaften müssen ihre Bemühungen gemeinsam mit der Bundesregierung vernetzen und sinnvoll ergänzen. Ich bin froh, dass wir hier zu einer guten Verständigung gekommen sind, wie zusammen mehr Schwung für die Wirtschaft der Zukunft erzeugt werden kann. Der Bundeswirtschaftsminister und ich werden auf der CeBIT die neue Plattform Industrie 4.0 vorstellen.
Wir haben viele kluge Fachkräfte und gerade mit dem Mittelstand eine starke industrielle Basis in unserem Land. Wir haben die besten Voraussetzungen, um jetzt die Chancen von Industrie 4.0 zu ergreifen. Deutschland wird international für seine Innovationsstärke geachtet. Arbeiten wir daran, dass „Made in Germany“ weiter an Anerkennung gewinnt und noch leistungsfähiger wird.
Pressemitteilung des Bundesforschungsministerium (BMBF)