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Thomas Hahn, Mitglied des Lenkungskreises der Plattform und Chief Expert Software bei Siemens, ist für die Plattform in vielen internationalen Kooperationen aktiv. Anja Simon ist Chief Technology Officer bei LNI4.0. Sie berichten aus ihren internationalen Erfahrungen, werfen einen Blick in die Zukunft und geben uns ihre Antworten.
Die internationale Vernetzung der Plattform Industrie 4.0 war von Beginn an ein wichtiges Erfolgskriterium. Wo stehen wir heute, Herr Hahn und was wird uns in den nächsten zwei Jahren an Themen beschäftigen?
Das Credo in der Plattform Industrie 4.0 lautet: Industrielle Wertschöpfung ist global vernetzt. Digitale Lösungen müssen über Ländergrenzen hinweg anschlussfähig sein, in Europa und global. Hierfür müssen wir konstant in den internationalen Dialog treten, sei es für den Austausch von Wissen oder hinsichtlich der Anforderungen an Produkte und Lösungen, sei es bei der vorwettbewerblichen Forschung oder der praktischen Erprobung. Und ganz zentral, der Standardisierung!
Wir haben mittlerweile viele wesentliche Partner an Bord und sind mit vier Kontinenten im regelmäßigen Austausch: Europa, Nord- und Südamerika sowie Asia-Pacific. Insgesamt bauen wir den Pfeiler Internationales stetig aus.
In den nächsten Jahren werden uns zusätzlich verschiedene neue Aspekte beschäftigen. In vielen Kooperationen haben wir ein grundsätzliches Verständnis für Technologien und Anwendungen wie der Verwaltungsschale geschaffen. Jetzt wollen wir konkreter in die gemeinsame Umsetzung kommen. Neue Themen und Konzepte werden uns intensiver beschäftigen, wie wir sie im Rahmen von Datenräumen Industrie 4.0 oder auch im Bereich Nachhaltigkeit und Resilienz von Wertschöpfungsketten diskutieren.
Frau Simon, das LNI 4.0 unterstützt Unternehmen aller Größen, Industrie 4.0 Anwendungen in Pilotprojekten umzusetzen und Zukunftslösungen zu testen. Das Netzwerk erfährt eine starke Nachfrage bei den internationalen Kooperationen der Plattform. Wie genau sieht die Zusammenarbeit im internationalen Kontext aus und welche Schwerpunkte setzen Sie mit den internationalen Partnern?
Ja, die internationale Nachfrage zur Zusammenarbeit ist in den letzten Monaten spürbar angestiegen. Industrie 4.0 hat international sehr an Bedeutung gewonnen. Grundsätzlich erlebe ich, dass in allen Ländern ähnliche Themen rund um Industrie 4.0 bearbeitet werden. Das ist eine gute Basis für Kooperationen und Synergieeffekte.
Aus Perspektive des LNI 4.0 geht es in den internationalen Kooperationen vordergründig darum, Vorgehensweisen und Optionen in der Umsetzung von Industrie 4.0 Technologien zu entwickeln, z.B. zur Verwaltungsschale oder zum Edge Management. Weiterführend werden auch konkrete Erfahrungswerte zu Beispielimplementierungen ausgetauscht oder konkrete, gemeinsame Demonstratoren aufgebaut oder vernetzt.
Alle internationalen Kooperationen beziehen Standardisierungsaktivitäten stark mit ein und sind neutral und offen.
Interoperabilität bedeutet auch die weltweite Vernetzung von Maschinen und Industrie 4.0 Anwendungen. Welche Erfolgsgeschichten gibt es bereits? Wo sehen Sie noch große Herausforderungen?
Interoperabilität stellt die technologische Basis für alle weiteren, speziell digitalen Anwendungen und Geschäftsmodelle dar, sozusagen die Autobahn für die weltweite Vernetzung von Maschinen und Industrie 4.0 Anwendungen. Gerade im Bereich Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft erhält die Interoperabilität einen großen Schub. Nur mit weltumspannender Interoperabilität und mit einem sicheren Datenmanagement kann eine wirklich nachhaltige Ressourcennutzung umgesetzt werden.
Interoperabilität umfasst jedoch nicht nur die reine Verknüpfung zwischen den Maschinen. Auch die wachsende Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit der Netzwerke, eine stärkere Verzahnung von IT und OT, ein steigender Bedarf an Daten, sowie die proaktive Einbindung aller Ressourcen, also auch der Menschen, sind essenziell.
Das setzt ein neues Bewusstsein voraus. Das müssen wir angehen, um weiterhin der Key Player in der Industrie 4.0 zu bleiben.