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Drei Fragen an Prof. Dr. Peter Post und Dr. Thomas Koenen
Einleitung
Prof. Dr. Peter Post, Festo SE & Co.KG und Dr. Thomas Koenen, BDI, beide in der Leitung der Task Force Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit, geben Eindrücke darin, was die Plattform beim Thema ökologische Nachhaltigkeit erreicht hat.
Seit 2019 hat die Plattform Industrie 4.0 das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Leitbild aufgenommen: Was haben wir seitdem erreicht?
Peter Post: Das Leitbild war ein wichtiger Startpunkt, um uns allen zu vergegenwärtigen: Ohne Digitalisierung wird die Industrie die ambitionierten Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen können. Wir haben mit Hilfe von Beispielen aus Vorreiterunternehmen im Jahr 2020 drei zentrale Entwicklungspfade nachhaltiger digitaler Produktion erarbeitet. Jetzt schauen wir, wie diese Pfade schnell Realität werden. In den AGs wird intensiv diskutiert: Zuletzt hat die AG 6 zehn Thesen zu digitalen Geschäftsmodellen und Nachhaltigkeit veröffentlicht. Die AG 5 hat eine UAG zum Thema Green Skills gegründet. Mit VertreterInnen aus der AG 1 haben wir ökologische Potentiale der Verwaltungsschale bewertet.
Thomas Koenen: In 2021 verfolgen wir das Ziel den Dialog mit nationalen wie internationalen Akteuren anzustoßen, um besser zu verstehen, wie Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit in der Praxis zusammenwirken. Wir sammeln und diskutieren die Erfahrungen der Unternehmen in der Task Force Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit. Mit Akteuren wie z.B. dem Umweltbundesamt oder dem WWF tauschen wir uns aus und im besten Fall entstehen gemeinsame Projekte daraus.
Die drei Entwicklungspfade beschreiben das zukünftige Potential von Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit. Wie sieht das Zusammenspiel konkret in der industriellen Produktion aus?
Peter Post: Schon heute reduzieren Industrieunternehmen ihren Ressourcen- und Energieverbrauch mit Hilfe smarter Datenauswertung. Digitale Innovationen, wie der Industrial Digital Twin, bilden den gesamten Produktlebenszyklus ab: Von der Dokumentation der Rohstoffe und Ressourcen bis zum Recycling dieser am Lebensende des Produkts. So können wir auch den CO2 -Fußabdruck eines Produkts immer genauer nachvollziehen. Die Veränderung der Geschäftsmodelle birgt ebenfalls Potential: Nachhaltige Geschäftsmodelle setzen erweiterte Nutzung von Produkten z.B. im Sinne der Mehrfachverwendung. Mit service-basierten Angeboten verschiebt sich der Fokus und Komponenten und Systeme werden besser ausgelastet und ihre Funktionen umfangreicher genutzt.
Thomas Koenen: Nachhaltigkeit ist ein Wettbewerbsfaktor im internationalen Markt. Industrieunternehmen aus Deutschland sind bereits heute in vielen entsprechenden technischen Bereichen führend. Intensive Datennutzung ist eine wichtige Voraussetzung, dass Nachhaltigkeitspotentiale über die gesamte Wertschöpfungskette sichtbar werden. Datenmarktplätze werden zu den Enablern von Nachhaltigkeit. Das ist unser Antrieb, um den Datenraum Industrie 4.0 weiterzuentwickeln. Dabei dürfen wir den Mittelstand nicht aus den Augen verlieren. Wir brauchen passende Rahmenbedingungen, die alle Unternehmen den Umstieg auf nachhaltiges Wirtschaften erleichtern.
Was nehmen Sie sich für 2022 vor?
Peter Post: Wir wollen, dass die deutsche Industrie globaler Vorreiter imThema Klimaschutz wird und „Made in Germany“ für nachhaltige und digitale Industrieprodukte steht. Dafür vernetzen wir uns in der Plattform und treiben mit Branchenverbänden Projekte voran – zum Beispiel, um aus dem Industrial Digital Twin einen Sustainable Industrial Digital Twin zu schaffen. Mir persönlich liegt der Forschungs- und Entwicklungsbereich am Herzen. Die Themen Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit könnten gezielter verknüpft und Investitions- und Forschungsförderung insbesondere für den Mittelstand gestärkt werden.
Thomas Koenen: Wir setzen weiterhin auf den Dialog. In der Task Force Industrie 4.0 bündeln wir Expertise, teilen neue Erkenntnisse und treiben eine koordinierte Entwicklung voran – nicht zuletzt auch, um Doppelarbeiten zwischen den Akteuren z. B. den Branchenverbänden zu vermeiden. Mit vielen Fragestellungen stehen wir am Anfang: Circular Economy, CO2-freie Produktion, Datenraum Industrie 4.0. Die Ergebnisse der Task Force Dialoge fließen in den öffentlichen Diskurs ein.
Ein weiteres Kurzinterview mit Prof. Dr. Peter Post erscheint am 5. November in der Beilage „Green Future – Wege in eine nachhaltigere Welt“ in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Mehr dazu gibt es auf unseren Social-Media-Kanälen.