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Wie werden Mittelständler ins richtige Testzentrum vermittelt? Wie sieht ein typischer Industrie 4.0-Test aus? Was ist für einen erfolgreichen Test entscheidend? Und testen deutsche Unternehmen auch international? Dr. Dominik Rohrmus gibt Antworten. Rohrmus ist Head of Research Group bei Siemens und seit 2016 im vorwettbewerblichen Verein Labs Network Industrie 4.0 (LNI4.0) tätig.
Thomas Hahn (LNI4.0-Vorstandsvorsitzender), Andrea Kunwald (LNI4.0), Natalie Schnelle (LNI4.0), Dr. Dominik Rohrmus (LNI4.0) (v.l.n.r.)
Frage 1: Was genau macht das Labs Network Industrie 4.0 und welche Partner stecken dahinter?
LNI4.0 wurde von Unternehmen und Verbänden aus dem Kreis der Plattform Industrie 4.0 gegründet und unterstützt den deutschen produzierenden Mittelstand bei der Digitalisierung. Als vorwettbewerblicher und gemeinnütziger Verein bieten wir unseren Mitgliedern Zugang zu etwa 40 Testzentren. Wir sind die Vermittler, keine Beratungs- oder Projektorganisation. Wir bringen unsere Mitgliedsunternehmen mit den Testzentren zusammen, die ihren Bedarf abdecken.
So erzeugen wir einerseits einen sehr konkreten, operativen Nutzen für unsere Mitglieder: Die Unternehmen können in den Testzentren neue Technologien und Geschäftsmodelle rund um Industrie 4.0 kennenlernen, ausprobieren und ihre Realisierbarkeit vor der Markteinführung überprüfen. Diese Möglichkeit senkt die Eingangshürden zu Industrie 4.0, da finanzielle und technische Risiken minimiert werden. Das Knowhow, das bei den Tests entsteht, wird übrigens unter allen LNI4.0-Mitgliedern geteilt – falls es nicht anders gewünscht wird.
Andererseits erzeugen wir einen strategischen, volkswirtschaftlichen Nutzen: Die Ergebnisse aus den Use Cases werden gebündelt und fließen über das Standardization Council Industrie 4.0 (SCI4.0) in internationale Standardisierungsprozesse ein. So werden die Bedürfnisse des deutschen Mittelstands systematisch in den Standards berücksichtigt. Gleichzeitig wird durch die Praxisergebnisse die konzeptionelle und strategische Arbeit der Plattform Industrie 4.0 gestützt. Das heißt wir haben eine sehr reaktionsschnelle Feedbackschleife zwischen Tests, Standardisierung und Konzeption. Das ist unsere große Stärke.
Frage 2: Sie haben über die Jahre schon viele Mittelständler in Testzentren vermittelt und bei ihren Tests begleitet. Was sind die typischen Bedarfe der testenden Mittelständler? Welche Faktoren sorgen für einen erfolgreichen Test?
LNI4.0 kooperiert mit etwa 40 Testzentren in Deutschland und hat mittlerweile über 60 Use Cases mit etwa 90 Unternehmen – davon sind ca. 65 KMUs – vermittelt. Typische Fälle gibt es eigentlich nicht. Jedes Unternehmen bedient einen speziellen Markt und braucht spezielle Lösungen. Wir haben aber immer wieder mit bestimmten Technologien zu tun: Sensorik, Cloud und Additive Manufacturing finden sich in vielen unserer Use Cases. Zudem merken wir, dass die etablierten Betreibermodelle wieder modern werden. Früher wurde verkauft und gekauft. Heute werden immer mehr Produkte „as a service“ angeboten. Mit Hilfe von Sensorik und Cloud lohnen sich diese Modelle heute, da Fernüberwachung und -steuerung möglich ist. Es werden beispielsweise nicht mehr Bohrer, sondern gebohrte Löcher verkauft – um es plakativ zu beschrieben.
Tests sind dann erfolgreich, wenn sie wirklich in einem geschützten Raum stattfinden. Die Unternehmen können in unseren Partner-Testzentren ausprobieren, erhalten meist eine Förderung und können auf den Sachverstand der Testzentrumsbetreiber – meist Hochschulen, Universitäten oder Forschungseinrichtungen – zurückgreifen.
Frage 3: Industrie 4.0 wird für eine stärkere länderübergreifende Vernetzung sorgen. Macht sich das auch in Ihrer Arbeit bemerkbar? Gibt es internationale Kooperationen?
Ja, die gibt es. Mit unseren europäischen Nachbarn unterhalten wir enge Verbindungen. Einerseits gibt es die trilaterale Kooperation mit Frankreich und Italien, die über die Plattform Industrie 4.0 läuft. Andererseits gibt es im DACH-Raum, d.h. in Deutschland, Österreich und der Schweiz, viele grenzübergreifende Projekte: Beispielsweise haben wir einen Use Case, an dem Partner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt sind – praktischerweise ist das Projekt direkt am Dreiländer-Eck am Bodensee angesiedelt. Fokus unserer Arbeit ist und bleibt aber der deutsche Mittelstand. Wenn es sinnvoll ist, kooperieren wir jedoch auch mit europäischen oder sogar außereuropäischen Partnern wie China, Japan und Australien.