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Digitalisierung passiert nicht einfach – sie wird von Unternehmen bewusst gestaltet. Die Geschichte von Alfing Montagetechnik (AMT) zeigt, wie aus der bewussten Entscheidung für Industrie 4.0-Lösungen konkrete Produkte mit stärkerer Kundenorientierung und mehr Effizienz werden. Der Schraubwerkzeug-Hersteller hat in vier Jahren eine neue „Industrie 4.0-Generation“ an Schraubwerkzeugen entwickelt und eingeführt.
Einfache Programmierung und Instandhaltung dank Kommunikation mit Tablet und Smartphone - die neuen Schraubersteuerungen von AMT
Eine genaue Bestandsaufnahme, gute Planung und viele Tests waren für die erfolgreiche Einführung unerlässlich. Von Anfang an war bei AMT klar, dass es kein Schema F gibt, sondern sie ihren eigenen Weg finden müssen. Die Lernerfahrungen von AMT können vielen Unternehmen auf ihrem Weg Orientierung geben.
Am Anfang standen die Schraubwerkzeuge von AMT: Sie finden vor allem da Einsatz, wo Versagen keine Option ist, insbesondere die Automobilindustrie nutzt sie für sicherheits- und funktionsrelevante Verschraubungen. Diese Werkzeuge waren bis 2012 bereits mit den bestehenden Systemen der Fahrzeughersteller vernetzt – sie konnten jedoch nur über stationäre PCs und mit herstellerspezifischer Software genutzt werden. Verschiedene Anwender nutzten unterschiedliche Standards.
AMT wollte die Schraubsysteme nicht nur vom Schreibtisch aus kontrollieren und einstellen lassen – sondern auch von unterwegs, aus einem anderem Standort oder gar Land, mit dem Tablet oder Smartphone. Dafür entwickelten sie eine neue Generation von Schraubwerkzeugen, die ohne Installation einer herstellerspezifischen Software mit den Endgeräten kommunizieren. Diese neuen Schraubwerkzeuge verfügen über Steuerungen, in die ein Webserver integriert ist. So ist es möglich, mit allen Geräten, die über einen HTML5-fähigen Browser verfügen, auf das Schraubsystem zuzugreifen. Versionskonflikte gehören damit der Vergangenheit an – die Schraubersteuerung hat die passende Parametrier- und Diagnosesoftware.
Die Entwicklung soll noch einen Schritt weitergehen: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Planung sollen zukünftig praktisch "im Vorbeilaufen" Schraubprogramme optimieren, in dem sie dies über ihr Mobiltelefon oder ein Tablet erledigen. Bei der Instandhaltung erscheinen Störungen direkt auf dem mobilen Endgerät. So können Fehler analysiert und möglicherweise remote behoben werden. Oder es wird aus der Ferne ermittelt, welches Ersatzteil die Anlage benötigt – das spart Wegzeiten und damit Kosten. Im äußersten Notfall kann der Kunde auch die AMT-Hotline zuschalten, die über die gleiche Kommunikationsschnittstelle direkt auf die Steuerung zugreifen und bei der Fehlerbehebung unterstützen kann – ohne den physischen Arbeitsplatz zu verlassen.
2012 begab sich AMT auf diesen neuen Weg; die Steuerungshardware und -software sollte komplett neu entwickelt werden. Dabei rückte AMT zunächst die Wünsche seiner Kunden in den Mittelpunkt – und entwickelte anschließend Ideen, wie sich diese Wünsche mit Technologien aus dem Bereich Industrie 4.0 vereinen lassen. Drei Jahre später liefen erste Testanwendungen bei ausgewählten Kunden – im Jahr darauf kam der erste Großauftrag über mehrere hundert Schraubkanäle.
Bei der Umsetzung hat AMT viele Erfahrungen und neue Ideen gewonnen, die sie in zukünftige Produkte einfließen lassen werden. Im Kern steht dabei eine Erkenntnis, die für jedes Unternehmen gilt, das Industrie 4.0-Lösungen integrieren möchte: „Es gibt kein Patentrezept für die Einführung von Industrie 4.0 im Unternehmen. Man sollte sich daher einen Bereich im Unternehmen aussuchen, in dem man mit einem Pilotprojekt beginnt und Erfahrungen sammelt. Daraus ergeben sich neue Ideen, die dann in weiteren Projekten und Bereichen umgesetzt werden können. Auf diese Weise hält Industrie 4.0 Schritt für Schritt Einzug in das Unternehmen“, erklärt Dr. Thomas Koch, Geschäftsführer Alfing Montagetechnik.