Prof. Dr. Boris Otto

Prof. Dr. Boris Otto

© Fraunhofer ISST

Frage: Mit der steigenden Vernetzung von Produktionsanlagen steigen auch die IT-Sicherheitsanforderungen. Welche Grundstrukturen braucht es, um industriellen Anlagen und Daten sicher zu machen?

In der schnelllebigen IT-Branche braucht es neben dem Security-by-Design Ansatz vor allem international verbreitete Normen und Standards. So wie in Deutschland das Bundesamt für IT-Sicherheit diese bereits national verankert. Nur so kann eine gewisse Grundabsicherung der Systeme erreicht werden. Dies muss insbesondere international vorangetrieben werden. Daneben ist es wichtig die „Update-Politik“ zu verbessern. Trotz der Schnelllebigkeit der Branche laufen die Systeme mitunter Jahrzehnte. Für Sicherheitsupdates muss das unbedingt berücksichtigt werden.

Frage: Was sind typische Fehler oder Annahmen, die Sie hier gerne ausräumen würden?

IT-Sicherheit ist leider weder sichtbar noch anfassbar, wie z. B. eine Mauer oder eine Stahltür. Deswegen ist es notwendig, das Bewusstsein für IT-Sicherheit bei den Unternehmen zu stärken. Virtuellen Assets werden mehr und mehr zu einem realen Wirtschaftsgut und müssen dementsprechend genauso bewirtschaftet und eben auch geschützt werden. Hier ist es wichtig zu verstehen, dass die Kundenbedürfnisse heutzutage durch ganze Ökosysteme – zusammengesetzt aus vielen Firmen – befriedigt werden – und nicht mehr allein durch einzelne Unternehmen. Hier setzt ja auch die Smart Service Welt an. Durch das Zusammenwirken in Ökosystemen, müssen Unternehmen Daten verstärkt austauschen, gleichzeitig haben aber sie aber ein erhöhtes Schutzbedürfnis für diese Daten. Eine einfache „Mauer“ um die Daten (also Schutz der Unternehmensnetzwerke oder der einzelnen Applikation) reicht nicht mehr. Wir müssen neue Techniken entwickeln, um den Datenaustausch zu gewährleisten, die Daten aber trotzdem zu beschützen.

Frage: An welchen Lösungen arbeiten Sie im Fraunhofer-Institut und wie werden die Bedarfe des Mittelstandes hier berücksichtigt?

Fraunhofer nimmt eine federführende Rolle bei der Industrial-Data-Space-Initiative ein. Die IDS-Initiative beschäftigt sich mit dem sicheren Datenaustausch zwischen Unternehmen und der selbstbestimmten Verwendung von Daten durch ihre Eigentümer (Unternehmen oder Personen). Ziel der Initiative, bei der sich mittlerweile mehr als 80 Unternehmen (auch sehr viele kleine und mittelgroße Unternehmen) aus über 13 Ländern engagieren, ist die Entwicklung eines Referenzarchitekturmodells des Industrial Data Space sowie dessen Pilotierung in ausgewählten Anwendungsfällen. An dieser Stelle arbeiten wir eng mit der Plattform Industrie 4.0 zusammen.

Die Entwicklung des Data Space erfolgt zudem in enger Abstimmung mit anderen strategischen Projekten, in denen Fraunhofer involviert ist, etwa das nationale Referenzprojekt IUNO, bei dem die IT-Sicherheit in der Industrie 4.0 im Vordergrund steht, oder das Projekt BaSys 4.0, in welchem ein Basissystem für Produktionsanlagen für die Industrie 4.0 entwickelt wird.