Prof. Anderl beantwortet eine Frage auf dem Stakeholder Forum in Essen

Prof. Anderl beantwortet eine Frage auf dem Stakeholder Forum in Essen

© BMWi / Michael Reitz

Welche Rolle nimmt Deutschland im internationalen Wettbewerb ein?

Der Begriff Industrie 4.0 beschreibt die vierte industrielle Revolution als technologieorientierte Zukunftsvision. In Deutschland liegt der Fokus auf einer Optimierung der Produktionsprozesse hinsichtlich Flexibilität, Anpassbarkeit, Qualität und Kosten. Durch die digitale Transformation sollen die wirtschaftlichen Erträge insgesamt verbessert und Deutschlands traditionell starke Wettbewerbsposition in der industriellen Produktion zukünftig gesichert werden.

Deutschland genießt international ein hohes Ansehen in Industrie, Wissenschaft und Forschung und übernimmt damit eine Schlüsselrolle in der Entwicklung und Anwendung von Industrie 4.0, insbesondere in den Bereichen Automatisierung und Fabrikausrüstung. Diese werden nicht nur von Großkonzernen, sondern auch maßgeblich durch den international erfolgreichen deutschen Mittelstand vorangetrieben.

Welche Chancen bietet die internationale Standardisierung für Deutschland?

Durch konsequent international ausgerichtete Standardisierungsaktivitäten lassen sich Lösungen entwickeln, die einen länderübergreifenden Einsatz digitaler Industrie 4.0-Technologien ermöglichen. Wie auch die acatech Studie „Industrie 4.0 im globalen Kontext“ zeigt, lassen sich beispielsweise deutsche Maschinen ohne zusätzlichen Integrations- oder Anpassungsaufwand in eine internationale Produktionsumgebung integrieren. Um innerhalb des komplexen und hochgradig heterogenen Themengebietes Industrie 4.0 Interoperabilität zwischen den unterschiedlichen Technologien herzustellen, ist die Standardisierung eine zentrale Voraussetzung.

Was können deutsche Unternehmen tun, um von den Chancen internationaler Wertschöpfungsnetzwerke zu profitieren?

Deutsche Unternehmen können wertvolles Know-how in gemeinsamen Projekten mit internationalen Partnern erwerben. Durch eine Kollaboration in Cluster-Netzwerken, Innovationszentren und Testbeds können Unternehmen direkt an einem Wissenstransfer partizipieren. Auch die Entwicklung oder Verstärkung zentraler Standards kann in diesem Kontext geschehen. Über die Mitarbeit in international relevanten Standardisierungsgremien erhalten große wie auch mittelständische deutsche Unternehmen Einblick in die aktuellen internationalen Industrie 4.0-Entwicklungen – und darüber die Möglichkeit, diese Märkte mit passenden technologischen Lösungen zu adressieren. Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle kann ebenfalls zum Treiber von Standardisierung werden und sollte von Beginn an mit der Entwicklung neuer Technologien einhergehen.