Azubi und Ausbilder bei der Arbeit

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Nach der Wende konzentrierte sich Elschukom allein auf die Fertigung von Geräteschutzsicherungen. Schnell realisierte die Unternehmensführung, dass die Welt nicht auf einen weiteren Sicherungshersteller gewartet hatte, und spezialisierte sich auf die Herstellung von Drähten und Feinstdrähten. Elschukom blieb seinen Wurzeln treu und produziert weiterhin Schmelzleiterdrähte für Geräteschutzsicherungen. Mittlerweile veredelt Elschukom zusätzlich auch Spezialdrähte für andere Branchen, beispielweise die Musiksaiten- und die Textilbranche (Stichwort smart textil), oder auch Heiz-, Kontakt- und Sägedrähte.

Die Kunden aus Europa, Asien und Amerika verlangen von dem mittelständischen Unternehmen mit Sitz im thüringischen Veilsdorf immer wieder individuelle und innovative Lösungen. Deswegen arbeitet auch über ein Fünftel der rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kontinuierlich an der Weiterentwicklung von Produkten und Prozessen. „Unser Marktumfeld ist sehr dynamisch“, erklärt Jan-Peter Krauß, Prokurist und kaufmännischer Leiter bei Elschukom. „entsprechend müssen wir laufend unsere internen Prozesse optimieren, damit wir flexibel bleiben.“ Wesentliche Veränderungen bei Elschukom waren die Gründung einer neuen Process-Engineering-Abteilung (PE) und die Implementierung eines eigens entwickelten Enterprise-Resource-Planning-Systems (ERP) für die maschinelle Drahtfertigung, das eine Vielzahl von Betriebsdaten – vom Kundenauftrag bis zur Auslieferung – integriert und nutzbar macht. Die Prozessoptimierung und Digitalisierung bei dem Mittelständler aus Thüringen blieb auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht ohne Folgen. Veränderungen und neue Anforderungen zeigten sich in allen Unternehmensbereichen.

Schnittstellenoptimierung mit neuer Abteilung und Produktionstechnologen

Das neue Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) war gerade für die Beschäftigten in der Produktion, die teilweise seit 25 Jahren kaum Veränderungen in ihren Arbeitsprozessen erfahren haben, eine große Umstellung. Ängste, so Krauß, seien hier ein ernstzunehmender Faktor, denen man vor allem durch offene Kommunikation und Hilfestellung entgegenwirken könne. „Wir haben den alten Hasen die Angst genom-men, indem wir ihnen klargemacht haben, dass es ohne sie nicht geht. Wir brauchen die jahrelange Erfahrung der Kollegen aus der Produktion und Verwaltung“, erklärt Krauß.

Unter anderem wurde das Personal gleichzeitig um einen Produktionstechnologen in Ausbildung erweitert. Er fungiert als Bindeglied zwischen Software, Produktion sowie Forschung und Entwicklung. Der Produktionstechnologe ist ein relativ neuer Ausbildungsberuf, der noch sehr umstritten ist. Für Elschukom, so Krauß, sei ein Produkti-onstechnologe aber genau der Richtige. In der Ausbildung werden Kenntnisse in Prozessgestaltung, Fertigungsverfahren, Produktion und Betriebswirtschaft vermittelt. Diese Kompetenzkombination befähigt den Produktionstechnologen dazu, Prozesse zu analysieren, zu simulieren und zu optimieren. „Industrie 4.0 vollzieht sich an den Schnittstellen. Hier setzt auch der Produktionstechnologe an.“ Der Produktionstechnologe ist für die Kollegen aus der Produktion auch Ansprechpartner und soll Hilfestellung geben. Er „übersetzt“ die Erfahrung der sachverständigen Kollegen in das ERP-System und nutzt das praktische Wissen, um Prozesse zu optimieren.

In der Abteilung Process Engineering (PE) sind Schnittstellen ebenfalls das zentrale Thema. Im PE hat Elschukom vier Mitarbeitern, die sich durch starkes Engagement und hohe Kreativität hervorgetan hatten, eine Art Spielwiese geschaffen. Ziel der Sonderabteilung ist es, durch interdisziplinäre Zusammenarbeit Prozesse zu optimieren, Schnittstellen zu definieren und die digitale Integration der Unternehmensteile weiter voranzutreiben. In der eigens durch die Mitarbeiter geplanten und eingerichteten Werkstatt tüfteln ein Informatiker, ein Mechaniker, ein Galvaniker und ein Steuerungstechniker an der Verbesserung der Abläufe und eignen sich meist ohne Anleitung neue Kompetenzen an. „Die positive Eigendynamik, die sich in Freiräumen für Mitar-beiterinnen und Mitarbeiter entfaltet“, stellt Krauß fest, „kann man gar nicht planen.“

Effektive Prozesse, zufriedene Beschäftigte

Produkt und Prozessoptimierung in Forschung und Entwicklung und PE, Softwareanpassung und -einbindung hinsichtlich des ERP und die Kompetenzerweiterung im Personal durch den Produktionstechnologen – die Verbindung dieser drei Hand-lungsschwerpunkte zeigt bereits positive Effekte. Sowohl hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens als auch für die Beschäftigten ist dies erkennbar. Den Mitarbeitern in der Produktion wurde die Angst genommen, von den Veränderungen überrollt zu werden. Sie werden von ihren Kollegen mit IT-Fokus im Learning on the Job an das neue System herangeführt und erhalten eine Wertschätzung aufgrund ihres reichhaltigen Erfahrungswissens. Die Mitarbeiter aus der Abteilung Process Engineering bekommen von der Unternehmensführung kreative Freiräume. Beides wirkt sich positiv auf die Motivation und die Qualifikation der Mitarbeiter aus. Darüber hinaus beinhaltet das Process Engineering natürlich auch die Maschinenauslegung und -optimierung. Durch die genaue, datengestützte Analyse könnten Ergonomie und Sicherheit der Arbeitsplätze und Maschinen erhöht werden – von den zusätzlichen Effekten für das Controlling ganz zu schweigen. Das Unternehmen spart durch opti-mierte Prozesse Kosten und kann auf der Grundlage umfassender Prozessdaten bessere Investitionsentscheidungen treffen.
„Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, aber wir sehen uns durch die ersten Erfolge in unserem Weg bestätigt“, zieht Krauß als Zwischenfazit.

Freiräume geben, interdisziplinären Austausch ermöglichen

Die Arbeitsprozesse wurden bei Elschukom so umstrukturiert, das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigenständig, praxisnah und ohne Ängste von ihren Kolleginnen und Kollegen mit anderen Qualifikationen lernen können. Dieses interdisziplinäre Learning on the Job ist zentral für die Weiterqualifizierung von Beschäftigten.
Unternehmen müssen entsprechend ihren Industrie 4.0- Aktivitäten ständig überprüfen, ob die Kompetenzen ihrer Angestellten und die bestehenden Berufsbilder noch den aktuellen Anforderungen im Betrieb entsprechen: Sind wir mit den derzeitig angebotenen Ausbildungsberufen und deren jeweiliger Anzahl noch richtig aufgestellt? Gerade im Hinblick auf die Industrie 4.0, in der die Schnittstellen zwischen verschiedenen Kompetenzbereichen eine zentrale Rolle spielen, wird die frühzeitige Weichenstellung in Fragen der Bildung immer wichtiger. Bei Elschukom hat die Analyse unter anderem zur Ausbildung eines Produktionstechnologen geführt.

In hochdynamischen Umgebungen braucht es außerdem eine Geschäftsführung, die ihren Mitarbeitern Freiräume und Entscheidungskompetenz überträgt und eine offene Führungskultur lebt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trauen sich so, ihre Ideen vorzutragen und ihre Potentiale zu entfalten.

Elschukom auf einen Blick

Die Elschukom Elektroschutzkomponentenbau GmbH stellt Schutzmodule und Feinstdrähte für verschiedenste Anwendungsbereiche her. Elschukom ist Weltmarktführer im Bereich Schmelzleiterdrähte. Die 1990 gegründete Firma beschäftigt am Sitz im thüringischen Veilsdorf ca. 100 Mitarbeiter. Das Unternehmen wird von Frau Dipl.-Ing. Ute Poerschke und Herrn Dipl.-Ing. Manfred Thauer geführt.