Dr. Constanze Kurz

© Andre Wagenzik/PI40

Welche drei Faustregeln sollten Unternehmen beachten, die Ihre Mitarbeiter fit für die digitalisierte Produktion machen wollen?

Die Unternehmen sollten zunächst schauen, wo sie stehen. Eine genaue Analyse der bestehenden Qualifizierungsangebote und Anforderungen an die Beschäftigten ist eine solide Grundlage für alle weiteren Aktivitäten. Auf diesen ersten Schritt folgt die Analyse zukünftiger Qualifizierungsbedarfe. Wir raten Unternehmen gemeinsam mit den Beschäftigten ein Zielbild zu entwickeln. Anschließend sollten – unter Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Maßnahmen erarbeitet werden, die die Qualifizierungsziele verwirklichen. In diesem Prozess können die Unternehmen auf verschiedenste Unterstützungsangebote zurückgreifen –z.B. der Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Eine Übersicht liefert der Industrie 4.0-Kompass der Plattform Industrie 4.0.

Was kann die Politik tun, um Menschen dauerhaft beschäftigungsfähig zu halten?

Von der Politik wünscht sich die Arbeitsgruppe, dass sie die Beratungsangebote für Unternehmen und Beschäftigte ausbaut. Gleichzeitig kann Politik Dialoge der Stake-holder moderieren. Die Plattform Industrie 4.0 ist ein Paradebeispiel für einen zielge-richteten Austausch unter Beteiligung aller relevanten Gruppen: Wirtschaft, Wissen-schaft, Verbände, Politik und Gewerkschaften. Solche Dialogformate sollten fortge-führt und weiterentwickelt werden. Eine weitere wichtige Funktion der Politik sehen wir in der Forschungsförderung. Wir wünschen uns anwendungsnahe Forschung, in der verstärkt das Zusammenspiel von Mensch, Technik und Organisation analysiert wird und Lösungsmodelle für alle Beschäftigtengruppen erprobt werden.

Welche Rollen spielen die Sozialpartner bei der Qualifizierung für Industrie 4.0?

Die Sozialpartner sorgen dafür, dass der Veränderungsprozess auf Augenhöhe und mit offenen Karten durchlaufen wird. Durch die Einbindung von Unternehmensfüh-rung, Betriebsräten und Beschäftigten können Ängste vor dem tiefgreifenden Wandel der Qualifizierung ab- und Akzeptanz aufgebaut werden. Außerdem erhalten die Be-schäftigten die Chance, selbst Ideen einzubringen und innovative Qualifizierungsmöglichkeiten zu schaffen. Das lohnt sich für Unternehmen sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Im Rahmen der Sozialpartnerschaft kann offen über das Verhältnis von Produktivitätsentwicklung zu Beschäftigungsentwicklung gesprochen werden. Klar ist, dass der Veränderungsprozess für alle Beteiligten tragfähig sein muss– dafür können die Sozialpartner sorgen.