Gruppenbild der Teilnehmenden der Community Days 2026.

Die Teilnehmenden der Community Days 2026.

© Plattform Industrie 4.0 / Laurin Schmid

250 Teilnehmende, fünf Layer Boards, acht Arbeitsgruppen: Am 16. und 17. September 2026 hat sich die Community der Plattform Industrie 4.0 im Scandic Hotel am Potsdamer Platz in Berlin über die Ausrichtung der nächsten Phase verständigt. Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Verbänden und Politik kamen zusammen – viele seit Jahren in der Plattform aktiv, viele zum ersten Mal dabei. 

Dr. Alexandra-Gwyn Paetz, Abteilungsleiterin Technologische Souveränität und Innovation im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, und Ernst Stöckl-Pukall, Leiter des Referats für Digitalisierung und Industrie 4.0 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, eröffneten die Veranstaltung. 

Dr. Alexandra-Gwyn Paetz (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) und Ernst Stöckl-Pukall (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) eröffnen die Community Days 2026.

Dr. Alexandra-Gwyn Paetz (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) und Ernst Stöckl-Pukall (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) eröffnen die Community Days 2026.

© Plattform Industrie 4.0 / Laurin Schmid

„Wir müssen richtig neu denken! Wir brauchen Start-ups, wir brauchen Unternehmen, die bei digitaler Infrastruktur ganz vorne mit dabei sind, wir brauchen Unternehmen, die Modelle bauen.“ – Ernst Stöckl-Pukall

Den inhaltlichen Auftakt gab Rainer Brehm, Siemens AG und Industrie-Vorsitz der Plattform Industrie 4.0. Er beschrieb den Weg von Industrie 4.0 zu Industry4.AI als Wechsel von fest programmierten Aufgaben zu ziel-basierten Workflows und knüpfte ihn an das Ziel einer deutlichen Produktivitätssteigerung zur langfristigen Wohlstandssicherung. 

Impuls von Rainer Brehm bei den Community Days 2026

Impuls von Rainer Brehm (Siemens AG) bei den Community Days 2026

© Plattform Industrie 4.0 / Laurin Schmid

„[Das Ziel muss sein], dass wir die deutsche und europäische Wirtschaft voranbringen, […] dass wir schneller werden, dass wir innovativer werden, dass wir im Weltmarkt bestehen können. Und ich glaube fest daran, dass wir aus Europa heraus die Zukunft einer KI-gestützten, autonomen Produktion gestalten können.“ – Rainer Brehm (Siemens AG)

Klaus Bauer (Trumpf SE + Co. KG) und Dirk Vielsäcker (Siemens AG) führten in das erweiterte Zielbild ein: Die Plattform Industrie 4.0 wird zum zentralen Strategienetzwerk für industrielle KI in Deutschland und will KI-basierte Anwendungen bis 2030 spürbar in der Breite der Industrie verankern. 

Tag 1: Die Layer Boards stellen sich der Community vor 

Erstmals präsentierten sich die fünf neuen Layer Boards –Infrastructure, Data, Industrial Foundation Models, AI Applications und Framework – mit ihrer Baseline, ihrem Zielbild 2030 und den Lücken dazwischen. Im World Café am Nachmittag wechselten die Gruppen in drei Runden zwischen den Boards. Und es zeigte sich schnell, dass die Community nicht gekommen war, um nur zuzuhören. 

Im Layer Board Infrastructure ging die erste Frage an den Begriff selbst: Was gehört eigentlich zu Infrastruktur – und was nicht? Aus der Diskussion kamen Ergänzungen zurück, die das Board mitnimmt: Konnektivität samt Anbindung des Shopfloors, Blueprints über das gesamte Cloud-Edge-Kontinuum hinweg, föderiertes Lernen, Robotik und die Integration von Bestandsanlagen. Wiederkehrender Wunsch: weniger Konzept, mehr Anfassbares: Demonstrationsumgebungen, Testbeds und Hands-on-Formate. 

Das Layer Board Data knüpfte an Manufacturing-X an und diskutierte, wie sich dessen Strukturen in die neue Aufstellung integrieren lassen. Im Zentrum stand, was Daten industrietauglich macht: Qualität, Semantik, Standardisierung, Usage Policies und Governance. 

Am kontroversesten wurde es im Layer Board Industrial Foundation Models. Dort stand die Grundsatzfrage im Raum, ob es industrielle Foundation Models überhaupt braucht, oder ob deterministische Modelle für viele Aufgaben die bessere Antwort sind. Debattiert wurden an dieser Stelle vor allem kleine, edge-fähige Modelle, die sich am Use Case orientieren. Dazu die offenen Punkte, die sich nicht wegdiskutieren lassen: Wie misst man Qualität? Wer haftet? Welche Daten gibt ein Unternehmen heraus – und was bekommt es dafür zurück? 

Das Layer Board AI Applications setzte beim betriebswirtschaftlichen Mehrwert an: Use Cases als Ausgangspunkt, Abstraktion und Generalisierbarkeit als Ergebnis. Geplant sind Entscheidungshilfen und Handreichungen. 

Im Layer Board Framework ordnete die Community ihre Beiträge entlang von Standards und Interoperabilität, Transfer und Skalierung, rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Sichtbar wurde dabei vor allem ein Zielkonflikt: Souveränität und Rechtssicherheit auf der einen Seite, Geschwindigkeit auf der anderen. 

Tag 2: Acht Arbeitsgruppen, drei davon neu 

Am zweiten Tag wiederholte sich das Format mit den Arbeitsgruppen – drei Runden, acht Räume. Neben den etablierten Gremien stellten sich erstmals die drei neu gegründeten Arbeitsgruppen vor. 

Die AG Produktion stellte drei Fragen: Welche Herausforderungen haben Teilnehmende bei der Adaption von KI in der Produktion? Welche Ergebnisse soll die AG liefern und für wen? Und wer ist bereit, Dinge im eigenen Haus auszuprobieren? Die Antworten aus den unterschiedlichen Runden werden im Nachgang zur Veranstaltung ausgewertet und geclustert. Geplant sind ein regelmäßiges Austauschformat, eine Sammlung existierender Lösungen und eine Anbindung an das IPCEI Manufacturing Cluster. 

Die AG Mittelstand, Start-ups und Skalierung arbeitete an ihrem Zuschnitt: Bedarfe des Mittelstands systematisch erfassen und zu Problemfamilien bündeln, Unternehmen und Start-ups über Matching- und Reverse-Pitch-Formate zusammenbringen, bestehende Netzwerke und Förderprogramme als „Netzwerk der Netzwerke“ verzahnen –und Datenräume so gestalten, dass Zugang, Sprache und Nutzen zu einem KMU passen. Als Vehikel für die Breitenwirkung soll ein Transformation Circle aufgebaut werden. 

Die AG Internationale Kooperationen benannte ihre Zielrichtung: internationale Interoperabilität, abgestimmte Positionen zu Industrial AI und ein intensivierter europäischer Ansatz. Im Fokus stehen China, die USA, Japan und Südkorea, jeweils mit eigener Strategie. Als nächstes entstehen Ländersteckbriefe und gemeinsame Materialien für internationale Besuche. 

Die AG Referenzarchitekturen und Standards diskutierte Interoperabilität zwischen Datenräumen und den Weg von Manufacturing-X zu IPCEI-AI, Anforderungen an agentische und föderierte KI-Architekturen sowie den Umgang mit schnellen Innovationszyklen und De-facto-Standards. Ein wiederkehrendes Motiv: der Transfer „Lab to Fab“. 

Die AG Sicherheit kollaborativer Ökosysteme verhandelte Vertrauen als Geschäftsgrundlage – Sicherheit als Voraussetzung dafür, dass kollaborative Ökosysteme überhaupt genutzt werden, und als Brücke zwischen Technologie und Business. 

Die AG Rechtliche Rahmenbedingungen nahm vier Themen, die aktuell als mögliche Fallstricke und Herausforderungen beim Einsatz von AI im industriellen Kontext wahrgenommen werden, mit: KI-Governance in Unternehmen, Haftungsfragen bei kombinierten Hardware-Software-Systemen, Datenaustauschverträge für IPCEI-AI sowie den Beitrag von Reallaboren zu digitalem Recht. 

In der AG Arbeit, Aus- und Weiterbildung ging es um die Rolle des Menschen in einer KI-gestützten Arbeitswelt, um Qualifikation und Beurteilungskompetenz – und um ein Thema mit Ablaufdatum: das Erfahrungswissen der Babyboomer zu erfassen, zu strukturieren und mit KI nutzbar zu machen. Wissensmanagement und hybride Intelligenz bleiben die Schwerpunkte. 

Die AG Digitale Geschäftsmodelle in der Industrie 4.0 stellte die unbequeme Frage: Wie bepreist man agentische KI, wenn sich der Nutzen kaum quantifizieren lässt? Und wer schöpft Wert ab, wenn Automatisierung zur Commodity wird? Die AG plädierte dafür, vom Effizienz- zum Wachstumsfokus zu wechseln, und sieht Souveränität und vertrauenswürdige KI als Wettbewerbsvorteil.

Michael Jochem (Robert Bosch GmbH), Leiter der AG "Sicherheit kollaborativer Ökosysteme: "Wir wollen uns zukünftig mit einem Fokus auf Industrial AI beschäftigen und das mit einer breiteren Community diskutieren […] – und natürlich sind alle, die neu dazugekommen sind, eingeladen, in den Arbeitsgruppen mitzumachen."

Wie es weitergeht 

Die Ergebnisse aus beiden World Cafés fließen in das Arbeitsprogramm der Plattform Industrie 4.0 ein. Vorgestellt wird es Anfang Dezember 2026, wenn sich die Plattform erstmals öffentlich in ihrer neuen Aufstellung zeigt. Bis dahin arbeiten die Layer Boards und Arbeitsgruppen weiter – und suchen Mitwirkende. Die Dokumentationen beider Tage stehen mit den Kontaktadressen der Gremien zum Download bereit.