Industrielle Prozesse werden digitaler und vernetzter. Das möchten Unternehmen nutzen, um die Wirtschaftlichkeit der Produktion zu erhöhen und dem Fachkräftemangel mit einer zunehmend autonomen Produktion zu begegnen. Dazu müssen automatisierte Systeme zuverlässig und vertrauenswürdig sicherheitskritische Entscheidungen treffen können. 

KI soll automatisierte Produktionsstrecken sichern

Produktionsunterbrechungen durch automatisiert auslösende Schutzeinrichtungen bei teil- und vollautomatisierten Werkzeugmaschinen im Mannlosbetrieb machen deutlich, worum es geht: Bevor nach einer automatisch ausgelösten Sicherheitsunterbrechung, weil beispielsweise eine Lichtschranke am Maschinenzugang unterbrochen wird, der Produktionsbetrieb fortgesetzt werden darf, muss eine ausgebildete Person quittieren, dass im Sicherheitsbereich keine Gefahr für Mensch und Maschine besteht. Künftig könnte KI diese Aufgabe übernehmen und auf Basis spezifischer Daten und unter Einhaltung aller sicherheitsrelevanten Vorgaben entscheiden, die Produktion fortzusetzen. 

Für diesen Use Case entwickelt KIbSIS die notwendigen Technologien wie KI-basierte Erkennung von Fehlfunktionen und Cyberangriffen, eine geschützte Systemplattform für sichere KI-Anwendungen, quantenresistente Kryptografie mit Secure Elements und eine vertrauenswürdige Software Bill of Materials (SBOM) für Industrieprodukte. Es entstehen standardisierte Schnittstellen, wie die Generic Trust Anchor API, und quantenresistente Protokolle, die herstellerunabhängig in verschiedenen Cloud-Edge-Umgebungen einsetzbar sind.

Die KIbSIS-Technologien helfen somit gleichzeitig, Cloud- und Edge-Computing nahtlos miteinander zu verbinden, um Ressourcen flexibel zwischen zentraler Cloud und dezentralen Edge-Knoten zu verteilen. Damit unterstützt das Projekt maßgeblich den Aufbau eines Multi-Provider Cloud-Edge Continuums.

Auf der Hannover Messe 2026 tauschten sich die zuständigen Referate des Bundeswirtschaftsministeriums, das koreanische Institute of Information & Communications Technology Planning & Evaluation (IITP) sowie die beteiligten Unternehmen und Forschungseinrichtungen zum aktuellen Projektstand aus und koreanisch-deutsche Expertengruppen besprachen weitere mögliche Themen für zukünftige gemeinsame Aktivitäten.

Die entwickelten KI-basierten Sicherheitstechnologien sind grundlegend für die Umsetzung von Industrie 4.0. Das koreanisch-deutsche Projektteam will 2028 einen Demonstrator auf der Hannover Messe präsentieren. 

Über KIbSIS 

KIbSIS wird im EU-Projektrahmen des IPCEI Nächste Generation Cloud Infrastrukturen und Services vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Durch die Entwicklung eigenständiger und quantenresistenter Sicherheitslösungen für industrielle Systeme trägt das Projekt maßgeblich zur digitalen Souveränität Deutschlands und Europas bei. Fördergeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). Projektpartner sind Fraunhofer AISEC, Siemens (Verbundkoordinator), TRUMPF und WIBU-Systems (FKZ 13IPC041A-D). Die Projektlaufzeit ist vom 01.10.2025 bis 30.04.2028 angesetzt.