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Veranstaltungsbericht: Sozialpartnerdialog
Ist KI eine Chance oder eine Gefahr für Beschäftigte? Diese Frage diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite aus der Industrie an Bord des Ausstellungsschiffes MS Wissenschaft. Anlass war das Wissenschaftsjahr.
Einleitung
Teilnehmer des Sozialpartnerdialog v.l.: Tobias Wojtanowski, Plattform I4.0; Prof. Peter Post, Festo AG; Dr. Constanze Kurz, Bosch GmbH; Thomas Hösle, Elabo GmbH; Kai-Uwe Hemmerich, Clariant; Elisa Hertzler, Peers Solutions GmbH
Die Podiumsteilnehmer betonten, dass KI zwar oft als Gefahr wahrgenommen werde, sich aber vielfach bereits als Chance auf positive Veränderung bewiesen hätte.
So berichtete Betriebsratsvorsitzender Kai-Uwe Hemmerich, dass KI in seinem Unternehmen Clariant nicht etwa zu Arbeitsplatzverlust geführt hätte. Vielmehr empfänden Laboranten und Chemiker sie durch gesteigerte Effizienz als positiv. Und auch in der Produktion würden Arbeitsplätze dadurch erhalten, dass mehr produziert werden könne.
Im Einklang damit verwies ELABO-Geschäftsführer Thomas Hösle darauf, dass beispielsweise digitale Assistenzsysteme eine enorme Bereicherung sein könnten. Etwa indem sie die Komplexität eines riesigen Produktsortiments beherrschbar machen.
Kein Selbstzweck, sondern Tool
Hösle betonte jedoch, dass der Mensch bei Digitalisierungsprozessen im Mittelpunkt stehen müsse. Dieser Ansicht war ebenfalls Prof. Dr. Peter Post, Vice President und Corporate Technology Advisor der Festo AG: man dürfe KI nicht als Selbstzweck sehen, sondern als Tool, das uns auch als Gesellschaft weiterbringt. Es gehe an keiner Stelle darum, den Menschen zu ersetzen, sondern die Arbeit des Menschen effizienter zu machen.
Trotz dieser großen Chancen der KI sah Dr. Constanze Kurz, als Leiterin des Betriebsratsbüros der Robert Bosch GmbH, Arbeitsplatzverlust weiterhin als eines der größten Risiken in diesem Zusammenhang – sowohl in der Produktion als auch in den Büros der Industrieunternehmen. Hier müsse man als Betriebsrat aufpassen und dabei ebenfalls dynamischer werden, etwa durch weniger Hierarchien und häufigeren Einbezug von Experten.
Des Weiteren sollte man darauf abzielen, KI nicht nur isoliert in einem Anwendungsgebiet, sondern ganzheitlich im gesamten Unternehmen einzusetzen.
Ängste nehmen durch Weiterbildung und Kommunikation
Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es in Bezug auf die potenziellen Ängste von Arbeitnehmern auf zwei essenzielle Faktoren ankomme.
Erstens müsse man Schulungen und Weiterbildungen im Umgang mit KI anbieten. Elisa Hertzler erklärte, wie sich ändernde Prozessschritte zu veränderten Jobrollen führen werden. Für die brauche es spezifisch zugeschnittene Weiterbildungsangebote. Zu diesem Zweck gründete sie die Peer Solutions GmbH, die wiederum KI einsetzt, um solch gezielte Weiterbildung zu ermöglichen.
Wichtig sei es hierbei, auch weniger kompetente Mitarbeiter für komplexe Aufgaben zu befähigen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Zweitens müsse man Mitarbeiter im Rahmen ausführlicher unternehmensinterner Kommunikation früh aufklären, mitnehmen und den Nutzen von KI aufzeigen. Das führe zu Identifikation und Begeisterung. So könne man sich nicht zuletzt als attraktiver Arbeitgeber im „War for Talents“ profilieren.
Des Weiteren müssten Betriebsrat und Geschäftsführung auf Augenhöhe kommunizieren. Hierbei sei es hilfreich, wenn KI-Experten und Informatik-Laien eine gemeinsame Sprache finden, um zusammen an Lösungen zu arbeiten.
Denn die Frage sei nicht, ob sich KI-Technologie etablieren wird, sondern vielmehr, wie damit umgegangen werden wird. Man dürfe sich nicht blind auf KI verlassen, sondern müsse die dahinterliegenden Prozesse verstehen, um keinen Biases zum Opfer zu fallen. Und nicht zuletzt gelte es, auch Fragen der Datenverwendung und Datenethik und der entsprechenden Weiterentwicklung des Rechtssystems zu diskutieren.