Welche Herausforderungen galt es zu lösen und welcher konkrete Nutzen ergab sich?
Die zerspanende Industrie ist hochentwickelt und arbeitet mit modernsten Technologien. Komplexe Maschinen und Werkzeuge stellen im Zusammenspiel sicher, dass Bauteil innerhalb enger Toleranzgrenzen prozesssicher bearbeitet werden. So modern die Bearbeitung, so überholt ist oft das Datenmanagement. Es wird häufig noch mit Ausdrucken, handgeschriebenen Notizen und Excel-Dateien gearbeitet. Viel Zeit wird aufgewendet, um Daten einzutippen, zu versenden, zu konvertieren oder zu suchen. Das beeinflusst die Effizienz der gesamten Wertschöpfungskette.
Mit c-Com sind die richtigen Daten jederzeit und von allen Standorten für alle berechtigten Akteure verfügbar. Angewandte technische Lösungen können innerhalb des Unternehmens verglichen werden, beispielsweise Werkzeuge und Bearbeitungsparameter für gleiche Werkstücke, die an unterschiedlichen Standorten gefertigt werden. So können Standardisierungen oder Benchmarking-Strategien unterstützt werden. Bestandsmengen sowie Beschaffungsstrategien können mit erheblichen Kostensenkungen harmonisiert und optimiert werden. Die Interaktion zwischen dem Einkauf und der Produktion sowie zwischen dem Einkauf und den Lieferanten wird extrem vereinfacht. Die Anzahl der E-Mails, um aktuell verwendete Daten zu übertragen, wird drastisch reduziert. Zeitgleich wird ein strukturierter Kommunikationsprozess und Dokumentenaustausch ermöglicht.
„Zunächst war ein Life-Cycle-Management von Einzelteilen in der Fertigung angedacht. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir dann erkannt, dass c-Com auch das Potenzial hat, bei der Digitalisierung der gesamten Wertschöpfung eine wichtige Rolle zu spielen.“ Giari Fiorucci, Geschäftsführer
Wie lässt sich der Industrie 4.0-Lösungsansatz beschreiben?
Mit Unterstützung des Softwareherstellers SAP wurde eine völlig neue Lösung basierend auf der SAP Cloud Platform für die effiziente Handhabung von Werkzeugen und werkzeugbezogenen Daten entwickelt.
Alle Nutzer entlang der Lieferkette (Fertigung, Einkauf, Logistik…) sind – ganz im Sinne von Industrie 4.0 – vernetzt und können mit den für sie relevanten Werkzeugdaten und das mit Bezug zu einzelnen Bauteilen und Anwendungen in Echtzeit arbeiten. Der durchgängige Datenfluss ohne Medienbrüche ist sichergestellt. Es besteht quasi eine übergeordnete, kollaborative Technologiedatenbank.
Mit dem jeweiligen Bezug zu Bauteilen und Anwendungen unterscheidet sich c-Com von allen bisherigen Cloud-Lösungen. Bei diesen können zwar Werkzeugdaten für verschiedene Nutzer freigegeben werden, allerdings werden diese nicht in Beziehung mit den jeweiligen Bauteilen und Bearbeitungen gesetzt. So haben diese Daten für weitere Prozesse rund um das Werkzeug, wie die Wiederaufbereitung oder die Disposition, keinen Nutzen. Das Modul „Tool Dashboard“ der Plattform c-Com hingegen vernetzt diese Daten und bietet in Kombination mit den Verbrauchsinformationen, die ein Werkzeugausgabesystem liefert, wertvolle Auswertungen in Echtzeit. So können beispielsweise die Leistungsfähigkeit der einzelnen Werkzeuge oder die Werkzeugkosten genau analysiert werden.
Was im B2C-Geschäft mit der Nachverfolgbarkeit von Paketen längst gang und gäbe ist, ist durch c-Com nun unter anderem für Werkzeuge möglich – die Verfolgung und Rückverfolgung aller Waren- und Datenflüsse.
Was konnte erreicht werden?
Mehrere Kunden von c-Com wickeln die Disposition ihrer Werkzeuge dank des Moduls „Refurbishment Management“ deutlich effizienter und kostengünstiger ab. Die administrativen Kosten sowie die Lagerbestände sind dadurch erheblich gesunken. Werkzeuge verschiedener Typen (beispielsweise PcBN-Schneidplatten oder Wälzfräser aus Vollhartmetall) wurden serialisiert. Auf c-Com kann nun jederzeit nachvollzogen werden, in welchem Status sich die Werkzeuge befinden (neu, nachgeschliffen, stumpf etc.), wo sie sich befinden (Fertigung, Lager, beim Dienstleister etc.) und wie lange ihre Restnutzungsdauer ist. Anhand dieser Daten übernimmt die Plattform die dynamische Disposition. Konkret wurden durch c-Com so Einsparungen von über 15 Prozent erreicht.
Mit welchen Maßnahmen wurde die Lösung erreicht?
Zu Beginn war c-Com eine Art Spin-off innerhalb der MAPAL Gruppe. Aus verschiedenen Bereichen des Werkzeugherstellers arbeiteten die Mitarbeiter gemeinsam an der Plattform. SAP war von der Idee der Plattform begeistert, unterstütze MAPAL bei der Entwicklung und brachte entsprechendes Know-how ein. Seit April 2017 ist c-Com als GmbH ein eigenes Unternehmen, agiert als unabhängige Plattform am Markt und MAPAL ist ein Kunde von vielen.
Was können andere davon lernen?
Die Fokussierung auf den Kundennutzen ist einer der Erfolgsfaktoren von c-Com. Denn durch die Plattform werden die Vorteile der Digitalisierung greifbar.
Intern bei der Entwicklung und Weiterentwicklung ist vor allem Agilität gefragt. Viele bedeutende Fortschritte wurden nach dem Prinzip „Trial and Error“ erreicht. Ein entscheidender Erfolgsmotor für Softwareunternehmen ist die positive Fehlerkultur.