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Drei Fragen an… Dr. Birgit Boss und Dr. Michael Hoffmeister

Was ist eine Verwaltungsschale? Was bietet die neue Publikation der Plattform Industrie 4.0? Und was müssen Unternehmen beachten, die eine Verwaltungsschale entwickeln wollen? Wir haben die Standardisierung-Expert/innen Dr. Birgit Boss (Robert Bosch GmbH) und Dr. Michael Hoffmeister (Festo AG & Co.KG) gefragt. Beide sind Mitglieder der Unterarbeitsgruppe „Modelle und Standards“ (ZVEI) in der Arbeitsgruppe „Referenzarchitekturen, Standards und Normung“ der Plattform Industrie 4.0.

Dr. Birgit Boss und Dr. Michael Hoffmeister
Dr. Birgit Boss und Dr. Michael Hoffmeister geben uns Antworten auf Fragen rund um die Verwaltungsschale.
© Bosch/Festo

Frage 1: Was ist die Verwaltungsschale eigentlich und warum ist sie für Industrie 4.0 so wichtig?

Boss: Die Verwaltungsschale ist ein Kernkonzept der Plattform Industrie 4.0. Sie ist für Industrie 4.0 so wichtig, da sie die Geräte und andere Assets abstrahiert und ermöglicht, auf deren Daten und sonstige Funktionalitäten auf einheitliche und kontrollierte Art und Weise zuzugreifen. Ein Asset kann ein einzelner Sensor sein aber auch eine komplette Produktionslinie.


Hoffmeister: Die Verwaltungsschale beschreibt das Asset über Teilmodelle, die sich ergänzen. Jedes Teilmodell stellt jeweils einen bestimmten Aspekt dar, wie zum Beispiel Dokumentation oder technische Daten. Sie kann auch Mehrwert-Dienste anbieten. Es reicht allerdings nicht, die Daten nur normiert auszutauschen; wichtig ist, zu wissen, was die Daten bedeuten. Daher müssen die Teilmodelle standardisiert werden, um echte Interoperabilität hinzubekommen. Und genau das schafft die Verwaltungsschale.

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Frage 2: Wenn Sie die Inhalte der aktuellen Veröffentlichung in drei Sätzen beschreiben müssten, …

Boss: … dann würde ich sagen, dass es die erste Publikation der Plattform ist, die sich vor allem an Entwickler richtet. Damit können Unternehmen direkt loslegen, Datenmodelle für Verwaltungsschalen zu implementieren und dabei sicher sein, dass eine spätere Interoperabilität möglich ist. Außerdem beschreiben wir, wie Informationen auf einheitliche Weise über mehrere Partner in der Lieferkette, beispielsweise Komponentenhersteller, Maschinenbauer und Betreiber, hinweg ausgetauscht werden.

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Frage 3: Haben Sie noch ein paar praktische Tipps für andere Unternehmen, die jetzt beginnen wollen, Verwaltungsschalen zu entwickeln?

Hoffmeister: Unternehmen können das Informationsmodell direkt umsetzen: Es ist detailliert im Dokument beschrieben. Wenn sie zum Beispiel Informationen über Dateien oder Datenpakete austauschen wollen, steht ein geeignetes XML- oder JSON-Schema zur Verfügung.

Boss: Wir haben außerdem schon weitere wichtige Abbildungsformate, wie zum Beispiel das für OPC UA, vorbereitet und finalisieren sie im nächsten Schritt in einer Joint Working Group zwischen ZVEI, OPC Foundation und VDMA.

Hoffmeister: Es gibt also durchaus noch etwas zu tun. Wir planen weitere Teile der Dokumentenreihe, die die Online-Programmierschnittstelle (API) definieren oder die Randbedingungen zur benötigen Infrastruktur beschreiben, die die einsetzenden Unternehmen nutzen. Auch für die Wartung des Modells ist gesorgt: eine Version V1.1 ist geplant. Außerdem diskutieren wir die Themen intensiv mit unseren internationalen Partnern. Es lohnt sich also auf jeden Fall, dranzubleiben.

Die Publikation „Details of the Administration Shell - Part 1: The exchange of information between partners in the value chain of Industrie 4.0; Release V1.0“ (dt: Austausch von Informationen zwischen Wertschöpfungspartnern) steht ab dem 27./28. November hier zur Verfügung.

Die Arbeitsgruppe „Referenzarchitekturen, Standards und Normung“ stellt sich hier vor.