Meldung

„Tag der Verwaltungsschale“: Gelungener Auftakt für den Industrie 4.0-Praxistest

Die Plattform Industrie 4.0 hat gemeinsam mit Partnern das Konzept der Verwaltungsschale entwickelt. Verschiedene Akteure haben das Konzept bereits aufgegriffen und in Projekten eingesetzt. Am 20. Oktober 2017 diskutierten in Frankfurt am Main Vertreter aus zehn Umsetzungsprojekten ihre Erfahrungen mit den Standardisierungsexperten der Plattform. Um das gemeinsame Ziel, die Interoperabilität sicherzustellen, wird nun auf den Erfahrungen aus der Praxis aufgebaut und den Projekten konkrete Empfehlungen für die weitere Umsetzung an die Hand gegeben.

The Big Picture: Kai Garrels, Sprecher der Arbeitsgruppe „Referenzarchitekturen, Standards und Normung" der Plattform Industrie 4.0, führt in die Thematik ein.
The Big Picture: Kai Garrels, Sprecher der Arbeitsgruppe „Referenzarchitekturen, Standards und Normung" der Plattform Industrie 4.0, führt in die Thematik ein.
© Martin Hankel

Ob IC4F, open ASS, oder SemAnz40 – sie alle sind Beispiele aus der Praxis und arbeiten mit dem Konzept der Industrie 4.0-Komponente. Die grundsätzliche Idee: Jeder Gegenstand der Industrie 4.0 erhält eine Verwaltungsschale, also einen digitalen Zwilling. Im April 2015 wurde das Konzept von der Plattform Industrie 4.0 vorgestellt, die es seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Gleichzeitig haben zahlreiche Initiativen und Projekte dieses Konzept zur Hand genommen und setzen es praktisch um. Jetzt war es an der Zeit, alle zusammenzubringen und zu schauen: Wie verzahnen sich Konzept und Praxis? Gibt es Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Klärungsbedarfe? Das Ziel: Die Standardisierungsarbeit der Plattform Industrie 4.0 weiter voranzubringen, um die Interoperabilität der Industrie 4.0 sicherzustellen.

Am 20. Oktober 2017 wurden die Räume des ZVEI in Frankfurt am Main zur Denkzentrale für Industrie 4.0-Standards. Rund 75 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Initiativen und Projekte sowie Expertinnen und Experten von der Plattform Industrie 4.0, u. a. der Branchenverbände ZVEI, VDMA und Bitkom, nahmen beim „Tag der Verwaltungsschale“ zehn praktische Industrie 4.0-Ansätze näher unter die Lupe. Im Fokus: das Kennenlernen der Praxisanwendungen mit Blick auf deren Interoperabili-tät. Denn nur wenn die Umsetzungen und das Konzept der Plattform Industrie 4.0 kompatibel sind, also miteinander funktionieren, kann es gelingen, die Industrie 4.0-Komponente und RAMI 4.0 als international anerkanntes Referenzarchitekturmodell für Industrie 4.0 erfolgreich zu etablieren.

„Tag der Verwaltungsschale“: wertvoller Schritt für die Standardisierungsarbeit in der Plattform Industrie 4.0

„Der direkte Austausch zwischen allen Beteiligten ist zentral, um die Standardisierungs-Konzepte der Plattform Industrie 4.0 weiterzuentwickeln und in die Praxis zu bringen. Daher war der heutige Tag ein wertvoller Schritt: „Heute haben wir viele tolle Ansätze kennengelernt und unsere Praxiserfahrungen diskutiert – ein wirklich gelungener Auftakt für die weitere, intensive Arbeit an den Industrie 4.0-Standards, um die Interoperabilität der ‚Durchstichprojekte‘ mit den Konzepten der Plattform Industrie 4.0 zu gewährleisten“, resümiert Kai Garrels, Sprecher der Arbeitsgruppe 1 „Referenzarchitekturen, Standardisierung und Normung“ der Plattform Industrie 4.0 und Head of Standardization and Industry Relations bei ABB Stotz-Kontakt.

Bei der Vorstellung der Projekte und Initiativen wurde deutlich: Sie alle beinhalten Ideen, die den Grundsatz der Verwaltungsschale aufgreifen und umsetzen – mit vielfältigen Ansätzen und in unterschiedlichen Stadien. Einige etwa sind bereits heute wichtige Ideengeber mit praktischen Hilfestellungen für Unternehmen: So zeigt die SmartFactory KL, in der weltweit ersten herstellerübergreifenden Industrie 4.0-Anlage Unternehmen konkrete Umsetzungsmöglichkeiten auf. Andere stellen Software als Open Source zur Verfügung, um das Prinzip der Verwaltungsschale direkt zu erproben und mit zu entwickeln, wie bei open AAS (open Asset Administration Shell, offene Verwaltungsschale für Industrie 4.0). Auch in der Forschungsarbeit, wie zum Beispiel bei SemAnz40 (Semantische Allianz für Industrie 4.0), spielt die Verwaltungsschale die Hauptrolle. Hier wird untersucht, wie die Verwaltungsschalen der Gegenstände so umgesetzt werden können, dass sie sicher und in Echtzeit kommunizieren und interagieren können. Wie ein solcher Kommunikationsbaukasten anhand ausgewählter industrieller Anwendungsszenarien modelliert werden kann – das ist zentraler Teil des IC4F-Projekts (Industrial Communication for Factories).

Daneben stellten sich die Initiativen und Projekte Basys4.0, Bosch, FDT Group, SAP AIN und IBM vor.

Im nächsten Schritt werden die Erkenntnisse des Tages und die umfangreichen Informationen, die mittels eines Fragebogens abgefragt wurden, ausgewertet und von der ZVEI-Spiegelgruppe „Modelle und Standards“ gemeinsam mit der Arbeitsgruppe 1 der Plattform Industrie 4.0 diskutiert. Schließlich werden Empfehlungen entwickelt, die sich direkt an die Initiativen und Projekte richten – für eine maximale Interoperabilität.

Die Verwaltungsschale – Was ist das eigentlich?
Die Verwaltungsschale ist Teil des Konzepts der Industrie 4.0-Komponente. Sie ist das digitale Abbild eines realen Gegenstands. Sie beschreibt zum Beispiel eine Bohrmaschine in der virtuellen Welt, gibt der Bohrmaschine eine eindeutige ID und enthält Informationen darüber, was die Bohrmaschine kann. Mithilfe der Verwaltungsschale ist es möglich, beliebige Gegenstände informationstechnisch in die Industrie 4.0-Welt einzubinden. Weitere Informationen zum Konzept der Verwaltungsschale finden Sie hier.