Hintergrund zur Plattform Industrie 4.0

Das Ziel der Plattform

Wie Deutschland auch der Fabrikausrüster für die Industrie 4.0 sein kann, wie der Produktionsstandort Deutschland mit Industrie 4.0 seine Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern kann, welche Rolle Deutschland bei der Setzung von Standards spielen kann und wie die Arbeitswelt mit Industrie 4.0 zum Nutzen der Menschen gestaltet werden kann – Antworten auf diese Fragen sollen durch die Plattform Industrie 4.0 im Dialog entstehen. Gemeinsam wollen Unternehmen und ihre Belegschaft, Gewerkschaften, Verbände, Wissenschaft und Politik eine hohe Wirkung entfalten. Es sollen ambitionierte, aber auch realisierbare Handlungsempfehlungen für alle Akteurinnen und Akteure erarbeitet werden, einschließlich der Initiierung geeigneter Standards. Zudem soll eine einheitliche, an dem Bedarf der Anwenderinnen und Anwender orientierte Forschungsagenda entwickelt werden. Schließlich sollen aussagekräftige Anwendungsbeispiele identifiziert werden, die die verschiedenen Effekte vernetzter Produktions- und Wertschöpfungsnetzwerke, wie die Vorteile neuer Geschäfts- und Arbeitsmodelle, unmittelbar demonstrieren.

Das Selbstverständnis der Plattform

Die Plattform will gemeinsame Handlungsempfehlungen für alle Akteurinnen und Akteure erarbeiten, die als Basis für einheitliche und verlässliche Rahmenbedingungen dienen sollen. Sie soll Allianzen und Netzwerke auf vorwettbewerblicher Stufe initiieren, die die in Deutschland vorhandene unternehmerische Kompetenz und Energie in ihrer Entfaltung unterstützen. Anspruch der Plattform ist es, alle relevanten Trends und Entwicklungen im Bereich der produzierenden Industrie zu identifizieren und im Sinne eines einheitlichen Gesamtverständnisses von Industrie 4.0 zusammenzuführen. Dies bedeutet umgekehrt, dass die Plattform keine operative Realisierung von Aktivitäten im Markt betreibt wie Demozentren, Forschungsprojekte, unternehmensgetriebene Projekte, diese aber proaktiv initiiert und begleitet. Gleichermaßen gilt für die Standardisierungsarbeit, dass die Plattform nicht der Ort der Standardsetzung im Sinne der Gremienarbeit ist. Sehr wohl sollen aber Handlungsbedarfe für Normen und Standards benannt und aktiv Empfehlungen für die nationale und internationale Gremienarbeit ausgesprochen werden.

Die Struktur der Plattform

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka steuern und leiten die Plattform gemeinsam mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften. In themenspezifischen Arbeitsgruppen erarbeiten Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden und Gewerkschaften gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Bundesministerien operative Lösungsansätze.

Sie greifen dabei Zukunftsfragen in den Bereichen Standardisierung und Normung, Sicherheit vernetzter Systeme, rechtliche Rahmenbedingungen, Forschung und Arbeitsgestaltung auf. Der Lenkungskreis mit Unternehmensvertretern entwickelt eine Strategie zur technischen Umsetzung der Arbeitsgruppenergebnisse. Der Strategiekreis mit Vertretern aus Politik, Industrieverbänden, Wissenschaft, Gewerkschaften, Bundesressorts und Ländern hat die Aufgabe der politischen Steuerung und übernimmt die Rolle von Multiplikatoren in der gesellschaftspolitischen Diskussion zu den Effekten von Industrie 4.0.

Die Zusammensetzung der Leitung der Plattform sowie eine Übersicht der in der Plattform vertretenen Unternehmen und Organisationen können Sie hier (PDF, 146KB) einsehen.

Die Geschichte der Plattform Industrie 4.0

Industrie 4.0 gehört zu den im Aktionsplan Hightech-Strategie 2020 verabschiedeten Zukunftsprojekten. Die Bundesregierung griff damit die rasante gesellschaftliche und technologische Entwicklung in diesem Bereich auf und legte Strukturen für die Zusammenarbeit aller Akteure des Innovationsgeschehens in Deutschland. Der durch die Forschungsunion Wirtschaft – Wissenschaft des BMBF eingesetzte Arbeitskreis Industrie 4.0 beleuchtete die Voraussetzungen für den erfolgreichen Aufbruch ins vierte industrielle Zeitalter. Im Oktober 2012 übergab der Arbeitskreis seinen Bericht unter dem Titel „Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0“.

Die Verbände BITKOM, VDMA und ZVEI – sie repräsentieren zusammen über 6.000 Mitgliedsunternehmen – griffen die Aufforderung zur Fortführung und Weiterentwicklung des Projekts Industrie 4.0 auf und schlossen im April 2013 die Kooperationsvereinbarung, in Form einer ideellen thematischen Zusammenarbeit über Verbandsgrenzen hinweg die Plattform Industrie 4.0 zu betreiben. Der Start der Plattform Industrie 4.0 wurde offiziell auf der Hannover Messe 2013 bekannt gegeben.

Im April 2015 wurde die Plattform Industrie 4.0 ausgebaut – weitere Akteure aus Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik kamen hinzu.


Die Arbeitsgruppen der Plattform

Die fachlich-inhaltliche Arbeit der Plattform erfolgt in themenspezifischen Arbeitsgruppen. Die Arbeitsgruppen entwickeln und dokumentieren zu ausgewählten Fragestellungen vorwettbewerbliche Konzepte und spezifische Handlungsempfehlungen, deren Umsetzung allen Partnerinnen und Partnern am Standort Deutschland Wettbewerbsvorteile sichern sollen.

AG Referenzarchitekturen, Standards und Normung

Für eine schnelle Umsetzung einer stärker digitalisierten Produktion in die industrielle Praxis ist ein konsensbasierter, forschungsbegleitender Standardisierungs- und Normungsprozess unerlässlich.

Wichtige Aufgabe der Plattform ist die Verortung vorhandener Normen und Standards im „RAMI 4.0“ (Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0). RAMI 4.0 ist ein erster Vorschlag für ein lösungsneutrales Referenzarchitekturmodell. Es ist dabei notwendig, sich zunächst einen strukturierten Überblick über die bestehenden Methoden und Ansätze zu verschaffen. Dann sollen einerseits Überschneidungen und andererseits Lücken bei bestehenden Normen und Standards identifiziert und dann Empfehlungen für Vorzugslösungen erarbeitet werden. Die Arbeitsgruppe wird dabei besonderes Augenmerk auf die Minimierung der Zahl der einzusetzenden Normen und Standards legen.

Die für Industrie 4.0 relevanten Normen und Standards werden auf verschiedenen technischen Ebenen und von verschiedenen Gremien ausgehandelt und entwickelt. Daher wird die Plattform die Koordination der Aktivitäten zur Normung und Standardisierung im Bereich Industrie 4.0 in zahlreichen Untergremien übernehmen sowie ein konsistentes und konzertiertes Vorgehen in unterschiedlichsten Organisationen und Verbänden sicherstellen. Sie ist Ansprech- und Dialogpartner für alle Interessengruppen, die Industrie 4.0-Kompatibilitäten definieren wollen. Vereinbarungen und Vorschläge über solche Definitionen werden von ihr transparent und breit kommuniziert.

Unternehmen der verschiedensten Branchen können sich beteiligen. Viele bringen sich bereits heute aktiv in die Arbeit der Plattform ein. Sie profitieren künftig, wenn ihre Maschinen, ihre Lagersysteme, ihre Produkte, ihre Mitarbeiter, ihre Zulieferer und Partnerunternehmen und ihre Kunden miteinander vernetzt sind und der Informationsaustausch nach einheitlichen Standards möglich ist.

AG Forschung & Innovation

Um den Forschungs- und Innovationsbedarf aus Sicht der Industrie zu identifizieren, bewertet die Arbeitsgruppe „Forschung und Innovation“ aktuelle Fallbeispiele und arbeitet an der Aktualisierung und Fortschreibung der Forschungs- und Innovations-Roadmap zu Industrie 4.0. Gemeinsam mit den anderen Arbeitsgruppen der Plattform identifiziert sie den Forschungsbedarf, der erforderlich ist, um Industrie 4.0 in Deutschland voranzubringen. Sie stellt die Ergebnisse des Innovations- und Forschungsbedarfs u. a. den nationalen Fördergebern in wissenschaftlich aufbereiteten Umsetzungsempfehlungen z. B. als Vorlage für zukünftige Forschungsprogramme zur Verfügung.

Gleichzeitig gilt es, vorhandene Forschungsergebnisse in die Unternehmen zu tragen und so Innovationen zu realisieren. Besonderes Augenmerk liegt auf den Unternehmen des Mittelstands, die durch gezielte Transferstrategien dabei unterstützt werden, Industrie 4.0 in den eigenen Fabriken einzusetzen. Konkrete Anwendungsfälle werden hinsichtlich ihrer Innovationskraft analysiert und bewertet.

AG Sicherheit vernetzter Systeme

Die Arbeitsgruppe „Sicherheit vernetzter Systeme“ wird zur Klärung der offenen Fragen hinsichtlich sicherer Kommunikation und sicherer Identitäten der Wertschöpfungspartner beitragen. Sie wird sich zudem mit der Detektion von Cyber-Angriffen in der Produktion  und deren Implikationen beschäftigen. Beides soll dazu beitragen, das notwendige Vertrauen zwischen den Wertschöpfungspartnern zu ermöglichen. Deshalb wird die AG darüber hinaus insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit einem Kurzleitfaden bei der Einführung von „I4.0 Security“ unterstützen, um den flächendeckenden Einsatz der I4.0-Techniken zu ermöglichen und so die volle Wirkung von I4.0 zu entfalten. Darüber hinaus wird die AG neue Anforderungen an Wissen und Erfahrung von Mitarbeitern im I4.0-Securitykontext definieren und an die Facharbeitsgruppe übergeben. Denn es werden kompetente Anwenderinnen und Anwender und Verantwortliche benötigt, damit die erarbeiteten Security-Konzepte und -Methoden durchgängig angewandt werden können.

AG Rechtliche Rahmenbedingungen

Die Arbeitsgruppe „Rechtliche Rahmenbedingungen“ der Plattform Industrie 4.0 setzt sich das Ziel, Chancen und Risiken von Industrie 4.0 rechtlich zu bewerten. In der Funktion eines „Enablers“ unterstützt die Arbeitsgruppe einerseits die Entwicklung und Umsetzung neuer Standards und Geschäftsmodelle und zeigt andererseits auf, wo gegebenenfalls gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht. Es geht dabei in erster Linie um die Frage, wie das heutige Recht, das ganz wesentlich auf die Idee menschengesteuerten Verhaltens ausgerichtet ist, unter dem Gesichtspunkt maschinengesteuerter Kommunikationsfähigkeit weiterentwickelt werden muss.

AG Arbeit, Aus- und Weiterbildung

Der Übergang in eine vernetzte Industrie wird in Deutschland nur dann gelingen, wenn die relevanten Akteurinnen und Akteure von Beginn an in den Veränderungsprozess einbezogen werden. An diesem Grundsatz orientiert sich die Plattform Industrie 4.0 und etabliert mit einer eigenen Arbeitsgruppe zu dem Thema einen Kreis an Personen, die sich den beschriebenen Gestaltungsfeldern annehmen.

Die Arbeitsgruppe „Arbeit, Aus- und Weiterbildung“ hat entsprechend für ihre Arbeit drei Handlungsfelder definiert, die wechselseitige Auswirkungen aufeinander haben:

  • In den vernetzen Informations- und Produktionsräumen müssen die Mensch-Maschine-Schnittstellen und -Kooperationen so gestaltet sein, dass sie dem Wohle des Menschen und der Innovationsfähigkeit der Unternehmen dienen.

  • Für die zusammenwachsenden Wertschöpfungsnetzwerke müssen die Rahmenbedingungen in der Organisation so gestaltet sein, dass Arbeiten und Lernen innerhalb der Prozesse leicht möglich ist.

  • Ausbildung und Qualifizierung in hybriden Tätigkeitsfeldern müssen so gestaltet sein, dass betriebliche Kompetenzentwicklung, prozessorientiertes Lernen und neue Lernformen unterstützt werden.