Konsequente Fokussierung auf Bedarf des Mittelstandes

Gesprächsszene im Rahmen der AG-Klausur der Plattform
© BMWi / Anja Blumentritt

Vor dem Wettbewerb steht die Kooperation

Die digitale Transformation der Industrie schreitet voran und die Gestaltung wird gleichermaßen wichtiger. Die Plattform Industrie 4.0 ist dank des Engagements zahlreicher Akteure zum zentralen Netzwerk für nationale und internationale Aktivitäten zur digitalen Transformation der Produktion in Deutschland geworden. Sie wird von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Gewerkschaften gemeinsam getragen – insgesamt wirken mittlerweile über 300 Akteure aus 159 Organisationen aktiv in den Gremien und Arbeitsgruppen der Plattform mit (Liste der Teilnehmer der Plattform Industrie 4.0 (PDF, 163KB)). Im Fortschrittsbericht der Plattform, der zur Hannover Messe 2017 erschienen ist, werden die Ergebnisse und Angebote sowie die nationalen und internationalen Kooperationen der Plattform Industrie 4.0 ausführlich besprochen. Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze finden Sie hier:

Service für den Mittelstand

Die Plattform sensibilisiert, motiviert und aktiviert Betriebe zur konkreten I4.0-Umsetzung, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).

Auf der Website der Plattform Industrie 4.0 gibt es eine Online-Landkarte, auf der rund 250 Anwendungsbeispiele eingetragen sind – die Beispiele sind insbesondere für Mittelständler eine wertvolle Inspirationsquelle. Sie geben Hinweise darauf, wie sich Industrie 4.0-Anwendungen im eigenen Unternehmen umsetzen lassen. Darüber hinaus sind Testzentren eingezeichnet, in denen Neuentwicklungen praxisnah erprobt werden können. Schließlich sind auch Beratungsangebote, etwa von den Industrie- und Handelskammern oder Initiativen der Bundesländer, regional aufgeschlüsselt. Die Landkarte ist ein „lebendes Dokument“. Stetig werden neue Einträge von den Akteuren gemeldet und aufgenommen.

Ergänzend zur Landkarte entwickelt die Plattform Industrie 4.0 den Kompass-Industrie 4.0, der Unternehmen zur Orientierung dient. Im Kompass sortiert die Plattform Industrie 4.0 über 50 nichtkommerzielle Unterstützungsangebote in Deutschland so, dass Unternehmen schnell das Angebot finden, das sie zur erfolgreichen Umsetzung ihrer Industrie 4.0-Lösungen brauchen: Beispielsweise sind die Angebote nach den Entwicklungsphasen von Industrie 4.0-Lösungen gegliedert – von Erstinformation über konkrete Testmöglichkeiten bis hin zur Umsetzung eines eigenen Pilotprojekts.

Die Plattform Industrie 4.0 hat darüber hinaus bereits über 50 Veranstaltungen zur Sensibilisierung und Qualifizierung von Unternehmen in Kooperation mit den Industrie- und Handelskammern sowie Verbänden und den Bundesländern und ihren Initiativen realisiert. In der Veranstaltungsreihe Industrie 4.0@Mittelstand können sich Industrie 4.0 Interessierte zu Fokusthemen (IT- Sicherheit, Rechtsfragen im Kontext von Industrie 4.0, Standardisierungsfortschritten, Innovationstransfer und weitere) informieren und in einen direkten Austausch mit anderen Unternehmensvertretern kommen.

Der Zugang zu Testzentren ist gerade für den Transfer der Industrie 4.0-Lösungen in die Praxis wesentlich. Die von Unternehmen und Verbänden aus der Plattform neu ins Leben gerufenen Initiativen „Labs Network Industrie 4.0“ (www.lni40.de) hilft Unternehmen passende Testzentren für ihre Industrie 4.0-Lösungen zu finden, bevor sie große Investitionen tätigen. Aus den Arbeiten in den Testzentren ergeben sich gleichzeitig wichtige Erkenntnisse für die Standardisierung, die Arbeitsgruppe „Referenzarchitekturen, Standards und Normung“ aus der Plattform und das Standardization Council 4.0 (https://sci40.com/de) aufgreifen. So finden nicht nur KMU Unterstützung, sondern es wird auch die Standardisierung vorangetrieben. Die Kooperation mit wissenschaftlichen Partnern und Unternehmen im Bereich Testfelder wird in Zukunft von der Plattform Industrie 4.0 ausgebaut.

Handlungsempfehlungen an Politik und Unternehmen

Die fachlich-inhaltliche Arbeit der Plattform wird von fünf themenspezifischen Arbeitsgruppen getragen: Das sind im Einzelnen die AG 1 „Referenzarchitekturen, Standards und Normung“, die AG 2 „Forschung und Innovation“, die AG 3 „Sicherheit vernetzter Systeme“, die AG 4 „Rechtliche Rahmenbedingungen“ und die AG 5 „Arbeit, Aus- und Weiterbildung“.

Die Arbeitsgruppen entwickeln vorwettbewerbliche Konzepte und Handlungsempfehlungen zu ausgewählten Fragestellungen. Die Handlungsempfehlungen richten sich an Unternehmen und Politik gleichermaßen: Die AG 1 hat ein Modell entwickelt, das die Grundlage für die Interaktion zwischen Industrie 4.0-Komponenten darstellt. Die AG 2 identifiziert und priorisiert in einer Forschungsagenda zentrale Themengebiete, die in den Forschungsabteilungen der Unternehmen und ggf. auch durch gezielte Forschungsförderungen zukünftig intensiver erforscht werden sollen. Die AG 3 gibt mit dem „Leitfaden IT-Security“ insbesondere KMU Hilfestellung bei der Umsetzung einer sicheren digitalen Produktion. Die AG 4 adressiert den rechtlichen Handlungsbedarf des Gesetzgebers. Die AG 5 beschäftigt sich mit der Frage, welche neuen Kompetenzanforderungen Digitalisierung und Industrie 4.0 an die Beschäftigten stellen und wie sich Qualifizierung und Bildung für Industrie 4.0 gestalten lassen. Die Empfehlungen der AG 5 zu Qualifizierung richten sich sowohl Politik als auch an Unternehmen.

Mit ihren Handlungsempfehlungen in den Bereichen Standards, Forschung, IT-Security, Recht, und Qualifizierung setzen die Arbeitsgruppen der Plattform gezielte Impulse für Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft. Alle Diskussionspapiere, Konzepte, Wegweiser und Handlungsempfehlungen werden kontinuierlich auf der Online-Bibliothek der Plattform veröffentlicht.

Zum Digital-Gipfel 2017 legt die Plattform einen "10-Punkteplan für Industrie 4.0" vor. Der 10-Punkteplan ist von den Plattform-Akteuren aus Wirtschaft, Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik gemeinsam erarbeitet worden. Mit den Handlungsempfehlungen richten sich die Plattform an Unternehmen und Politik, setzt sich aber auch selbst Aufgaben.

Standardisierung

Die Akteure der Plattform Industrie 4.0 haben das Referenzarchitekturmodell RAMI 4.0 entwickelt. RAMI 4.0 ist ein Koordinatensystem, in dem die komplexen Zusammenhänge der Industrie 4.0 in drei Dimensionen aufgegliedert werden: IT, Lifecycle und Automatisierungshierarchie. Das Modell wird in der DIN-Spezifikation DIN SPEC 91345 beschrieben und findet auch international große Beachtung: seit kurzem wird es in den internationalen Normungsorganisationen International Organization for Standardization (ISO) und International Electrotechnical Commission (IEC) diskutiert. Die Arbeitsgruppe 1 der Plattform Industrie 4.0 treibt die Standardisierung weiter voran. Jüngst hat sie ein Interaktionsmodell für Industrie 4.0-Komponenten erdacht. Hierbei handelt es sich um ein Modell, das Regeln für die Interaktion zwischen Maschinen, Sensoren und Produkten vorschlägt.

Aus der Plattform heraus haben zentrale Akteure das Standardization Council 4.0 gegründet. Ziel der Initiative ist es, Standards der digitalen Produktion zu initiieren und diese national wie international zu koordinieren.

Nationale und internationale Allianzen

Die Plattform führt intensive Dialoge mit nationalen und internationalen Allianzen, um Austausch und Standardisierung voranzutreiben sowie Deutschland als Leitmarkt für Industrie 4.0 zu positionieren. Die Plattform nimmt am Austausch zwischen Bund- und Länderinitiativen teil. International kooperiert die Plattform mit dem Industrial Internet Consortium (USA), der Alliance Industrie du Futur (Frankreich) und der Robot Revolution Initiative (Japan). Zudem gibt es ein Memorandum of Understanding und einen gemeinsamen Aktionsplan mit China, einen regelmäßigen Austausch mit der Europäischen Union sowie den G20-Ländern.

Gemeinsam mit internationalen Partnern wird gerade eine online-verfügbare Übersicht internationaler Industrie 4.0-Anwendungsbeispiele erarbeitet.